Preisvergleich per Smartphone : Online-Trend setzt Einzelhändlern zu

Laut einer Studie des Instituts für Handelsforschung ECC Köln informiert sich jeder Zehnte in einem stationären Laden bevor er im Netz einkauft. Foto: dpa
Laut einer Studie des Instituts für Handelsforschung ECC Köln informiert sich jeder Zehnte in einem stationären Laden bevor er im Netz einkauft. Foto: dpa

Bei den traditionellen Einzelhändlern wächst der Frust über die Konkurrenz im Internet. Immer mehr Kunden lassen sich im Geschäft beraten, vergleichen per Smartphone die Preise und bestellen dann im Netz.

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12. April 2013, 12:54 Uhr

Eutin / Kiel | Sie werden immer dreister. Kunden kommen in einen Laden, lassen sich beraten und bestellen dann noch vor den Augen des Verkäufers das gewünschte Modell per Smartphone im Internet. Einer, der das kennt ist Christian Aldrup, dessen Schuhhaus in Eutin bereits seit 40 Jahren besteht. "Es gibt Leute, die probieren die Schuhe an, um sie danach für ein paar Euro weniger im Internet zu kaufen", sagt der 54-Jährige.

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Das ist kein Einzelfall. Laut einer Studie des Instituts für Handelsforschung ECC Köln informiert sich jeder Zehnte in einem stationären Laden bevor er im Netz einkauft. "Der Trend nimmt zu - und das ist gut so", meint Dr. Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Zwar gibt er zu, dass es ihm "persönlich missfällt" wenn der Kunde noch im Laden im Internet-Shop einkauft, aber: "Das ist völlig legal." Es sei jedem unbenommen, etwa mit einem Programm per Handy den Barcode eines Produkts zu scannen und Preise zu vergleichen. So sei es möglich, mit dem stationären Ladenbetreiber zu verhandeln. "Da können Sie alles erleben: Einer geht mit dem Preis sofort runter, der nächste wird gleich ruppig", sagt Wita. Und wenn ein Ladenbesitzer auf sein Hausrecht bestehe, ein Handy verbot erlasse oder den Kunden aus dem Geschäft verweise, müsse der das akzeptieren. Allerdings spräche sich so etwas schnell herum.

"Natürlich gräbt das der regionalen Wirtschaft das Wasser ab"

Deswegen rät Monika Dürrer vom Einzelhandelsverband Nord in Kiel von solchen Maßnahmen ab. In ihrem Verband habe man schon scherzhaft darüber nachgedacht, für den Ladenbummel in den Innenstädte Schleswig-Holsteins Eintritt zu verlangen - ähnlich einem australischen Geschäftsmann, der für das Betreten seines Geschäfts einen Obulus verlangt. Allerdings gebe es das im Norden nur in einigen Brautmode-Geschäften, wo die Beratungsgebühr auf den Kaufpreis angerechnet wird, sagt Dürrer. Sie glaubt, dass der Online-Handel weiter zunimmt. Im vergangenen Jahr gaben die Schleswig-Holsteiner schon eine Milliarde Euro im Internet aus.

"Natürlich gräbt das der regionalen Wirtschaft das Wasser ab." Das sieht auch Boris Wita so. "Der kleine Händler um die Ecke wird es in Zukunft schwerer haben, weil er plötzlich Teil der globalisierten Welt ist." Dürrer rät den Händlern, zu einem eigenen Online-Shop. Laut der Kölner Studie profitieren Läden, die den Online- mit dem stationären Handel gut verzahnen, vom Internet-Shopper. "Und man sollte als Händler auf Kunden setzen, die sich im Internet informieren, aber denen der Service im Laden etwas Wert ist", sagt Dürrer. Und wenn doch einer mit dem Handy im Laden bestellt? Dürrer: "Ich würde ihn freundlich ansprechen, so dass bei ihm ein schlechtes Gewissen entsteht."

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