Zu hoher Förderzins : Ölförderung: Firmen geben die Suche in SH auf

Bisher wurde in Schleswig-Holstein nur nach Öl gesucht, doch auch damit soll nun Schluss sein.
Bisher wurde in Schleswig-Holstein nur nach Öl gesucht, doch auch damit soll nun Schluss sein.

Umweltminister Habeck verdoppelt die Abgabe. Das macht die Förderung unrentabel. Die Unternehmen müssen neu kalkulieren.

shz.de von
19. Dezember 2014, 06:39 Uhr

Kiel | Die von Landesumweltminister Robert Habeck beschlossene Erhöhung des Öl- und Gasförderzinses von 21 auf 40 Prozent hat drastische Folgen: Gleich drei von vier Unternehmen, die derzeit neue Ölfördergebiete im Land erkunden, ziehen ihre Pläne jetzt in Zweifel. Eins von ihnen hat sie sogar schon begraben – die Firma Max Streicher aus Bayern: „Wir haben unsere Lizenz am 9. Dezember zurückgegeben“, sagte Geschäftsführer Rainer Leneis am Donnerstag dem sh:z. Ein Förderzins von 40 Prozent sei „für einen Mittelständler nicht tragbar“. Max Streicher wollte das riesige Areal „Rosenkranz Nord“ in Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sondieren, hat bisher allerdings nur „Datenrecherche“ betrieben.

Auch PRD Energy und RWE Dea, die beide gleich mehrere Ölfelder untersuchen, rechnen ihre erst zwei Jahre alten Pläne noch mal neu durch. So lässt PRD seine „Aufsuchungserlaubnis“ für Gebiete um Gettorf, Bad Bramstedt, Elmshorn, Schwarzenbek und Ostrohe für ein Jahr ruhen, bis die Firma die Auswirkungen von Habecks Entscheidung geklärt hat.

Und auch bei RWE Dea ist man inzwischen skeptisch. Der Konzern erkundet Felder um Kiel, aber auch bei Heide – doch sei es jetzt „unwahrscheinlicher geworden, dass wir diese Projekte realisieren“, sagt Firmensprecher Derek Mösche. Daran sei allerdings nicht nur der höhere Förderzins schuld, sondern auch der stark gesunkene Ölpreis. Die Ölförderung auf der Bohrinsel „Mittelplate“ in der Nordsee gehe dagegen weiter – zumal Habeck den Förderzins hier nicht so stark erhöht. Auch die Firma Central Anglia will weitermachen und ihre Erkundungen nahe Flensburg bei Sterup fortsetzen.

Der Erdöl-Wirtschaftsverband übte scharfe Kritik an der Anfang Januar in Kraft tretenden Erhöhung des Förderzinses. Sie sei „investitions- und wirtschaftsfeindlich“, schreibt Verbandschef Josef Schmidt an Habeck. Der grüne Minister zeigte sich ungerührt: Den Zins habe er erhöht, „um unsere nicht erneuerbaren Ressourcen zu schonen und langfristig zu sichern“, sagte er. Wenn Unternehmen jetzt zu dem Schluss kämen, dass sich eine Förderung von Erdöl oder Erdgas nicht lohne, „akzeptieren wir dies selbstverständlich“. Auch Habecks Wirtschaftskollege im Kabinett, der SPD-Mann Reinhard Meyer, trägt den Beschluss mit: „Wichtig war mir, dass es für die Förderung in der Nordsee weiter gute Rahmenbedingungen gibt“, sagte Meyer.

Freuen dürften sich die Bürger in den betroffenen Regionen. Die meisten lehnen die geplanten Förderprojekt ab – vor allem weil sie Angst haben, dass das umstrittene Fracking zum Einsatz kommt. Dabei werden Wasser und Chemikalien in die Erde gepresst, um eingeschlossenes Öl oder Gas freizusetzen. Kritiker fürchten, dass dadurch das Trinkwasser gefährdet wird. Allerdings bestreiten alle beteiligten Firmen, dass sie die Technik einsetzen wollen.

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