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Millionen-Defizit : Nordfrieslands Kliniken: Kleine Standorte müssen bluten

vom

Für die Kliniken in Tönning und Niebüll schlägt ein Gutachten Einschränkungen vor. Der Kreis hat entschieden, es prüfen zu lassen.

Die Kliniken in Nordfriesland müssen wirtschaftlicher arbeiten – denn insgesamt verbuchen die vier Standorte einen Millionenverlust. Ein Gutachten schlägt vor, die kleineren Standorte Tönning und Niebüll zugunsten des Hauptstandorts Husum einzuschränken. Als Grundlage dienen Handlungsempfehlungen des Diplom-Kaufmanns Karl-Heinz Vorwig – er war bis September Kaufmännischer Vorstand der Diako Flensburg. Vorwig verteidigte seine Vorschläge gegenüber Kritikern, die die medizinische Nahversorgung im Kreis damit in Gefahr sehen: „Es hört sich ziemlich brutal an, aber wenn man betriebswirtschaftlich überleben will, gibt es keine Alternative dazu.“ Der Kreistag beschließt einstimmig, die Gutachter-Empfehlungen zur Krankenhaus-Rettung auf Herz und Nieren prüfen zu lassen.

Für die Menschen in Nordfriesland bedeutet eine Einschränkung oder gar Schließung von Standorten, dass viele künftig einen weiteren Weg zu einer Klinik haben. Das könnte bedeuten, dass nachts Notfälle aus dem Raum Niebüll bis nach Flensburg gebracht werden müssen, wenn die Chirurgie in Niebüll nicht besetzt ist. Der Trend, für anstehende Operationen eine größere Klinik außerhalb Nordfrieslands zu nutzen, bestand aber schon vorher und hat das wirtschaftliche Problem der Kliniken verstärkt. So fahren regelmäßig Patienten unter anderem bis nach Damp oder weiter.

 

Klinik in Husum

Der Klinik-Standort Husum sollte laut Gutachter-Empfehlungen weiter gestärkt werden.
Der Klinik-Standort Husum sollte laut Gutachter-Empfehlungen weiter gestärkt werden. Foto: bandixen

Das Gutachten empfiehlt, den Standort Husum zu stärken und Kompetenzen hier zu bündeln. Denn je mehr Patienten auf einem Fachgebiet betreut werden, je häufiger beispielsweise ein Kind auf die Welt geholt wird, desto besser die Erfahrung der Ärzte. Husum ist der größte Standort mit 258 Betten. Bislang versorgen 450 Mitarbeiter etwa 11.500 stationäre und mehr als 15.000 ambulante Patienten im Jahr.

In Husum sollen laut Empfehlung des Gutachtens die Gynäkologie und Geburtshilfe ausgebaut werden. Andere Gebiete sollen umstrukturiert werden. Die Chirurgie würde dann in eine Allgemein- und eine Unfallchirurgie aufgeteilt. Eine spezielle Gefäßchirurgie sollte höchstens als Teil der Allgemeinchirurgie bedingt fortgesetzt werden. In der Medizinischen Klinik könnte in Gastroenterologie und Kardiologie differenziert werden. Die onkologischen Kapazitäten werden geprüft.

Andere Bereiche kommen auf den Prüfstand – das heißt, dass sie bei defizitärem Ergebnis geschlossen oder eingeschränkt werden: Der Neurochirurgie droht dann die Schließung, der Physiotherapie ein Abbau der Kapazitäten.

Klinik in Tönning

Eine stationäre Versorgung  soll es in Zukunft in der Tönninger Klinik nicht mehr geben.
Eine stationäre Versorgung soll es in Zukunft in der Tönninger Klinik nicht mehr geben. Foto: bandixen

Die kleinste Festlandklinik steht komplett auf dem Prüfstand. Das Gutachten empfiehlt die Schließung des Standortes mit 29 Betten für eine stationäre Versorgung. Stattdessen soll eine rein ambulante Versorgung durch ein Medizinisches Versorgungszentrum aufgebaut werden. Die Neurochirurgie und das ambulante Adipositas-Zentrum sollen demnach geschlossen und nach Husum verlagert werden. Tönning ist ein kleiner Standort: 80 Mitarbeiter versorgen etwa 2500 stationäre und mehr als 9700 ambulante Patienten im Jahr

Klinik in Niebüll

Das Klinikum Niebüll: Die 30 Amtsgemeinden kämpfen um den Beibehalt des sanierten und mit Hilfe der von Bürgerspenden modernisierten Krankenhauses.
Das Klinikum Niebüll: Die 30 Amtsgemeinden kämpfen um den Beibehalt des sanierten und mit Hilfe der von Bürgerspenden modernisierten Krankenhauses. Foto: Stephan Bülck

In Niebüll stehen zwei Stationen vor dem Aus: Die Gynäkologie und die HNO. Die Chirurgie soll nach Empfehlung des Gutachtens zurückgeschraubt werden. Statt rund um die Uhr für die Menschen in Südtondern bereit zu stehen, soll der Betrieb auf zwölf Stunden reduziert werden. Notfälle müssten dann nachts nach Husum oder Flensburg gebracht werden. Die Klinik in Niebüll hat 124 Betten. 280 Mitarbeiter versorgen etwa 5700 stationäre und mehr als 13.000 ambulante Patienten im Jahr.

Insel-Klinik Föhr-Amrum

Das Föhr-Amrumer Krankenhaus
Das Föhr-Amrumer Krankenhaus Foto: pk
 

Vom Gutachten ausgenommen ist die Insel-Klinik mit nur 18 Betten. Solange die Krankenkassen ihren jährlichen Sicherstellungszuschlag gewähren, könne auch der Standort aufrechterhalten werden. Die Geburtshilfe auf Föhr wurde unabhängig vom Gutachten bereits eingestellt. In den Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe wurden bis dahin jährlich ca. stationäre 1500 Fälle behandelt. Hinzu kamen etwa 7200 ambulante Behandlungen.

 

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erstellt am 11.Dez.2015 | 13:45 Uhr

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