Norddeutsche streiken nur eineinhalb Tage

Nirgendwo gibt es weniger Ausfalltage / Tarifeinigung bei Bahn

shz.de von
01. Juli 2015, 19:22 Uhr

Der Streik bei der Deutschen Bahn ist vom Tisch – und damit zumindest einer der Tarif-Konflikte, die Verbraucher in den vergangenen Monaten im Atme gehalten haben. Dabei zeigen Statistiken: Über mehrere Jahre hinweg betrachtet musste gerade der Norden beim Thema Streik nur wenig ertragen.

Zwischen 1995 und 2014 gab es je 1000 Beschäftigten und pro Jahr in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg nur 1,5 Ausfalltage – so wenig wie in keiner anderen Region in Deutschland. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 3,5 Tagen. Das zeigen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Absolut gingen in dieser Zeitspanne 81  736 Tage in den drei norddeutschen Ländern durch Streik oder Aussperrung verloren – 2,5 Millionen Tage waren es hingegen bundesweit. Allein Nordrhein-Westfalen sowie Bayern und Baden-Württemberg, die Heimatländer vieler Metall- und Elektrobetriebe, sind dabei für gut 1,3 Millionen Ausfallstage verantwortlich. Pro Kopf gerechnet sind allerdings Rheinland-Pfalz und das Saarland mit 5,6 Tagen Spitzenreiter. Verantwortlich machen die IW-Forscher dafür vor allem starke Streikwellen im Gesundheitssektor sowie im öffentlichen Dienst seit 2006. Auch in Schleswig-Holstein war es vor allem die Gesundheitsbranche, die die Streikbilanz in die Höhe trieb. 11  869 Arbeitstage gingen im nördlichsten Bundesland zwischen 2008 und 2014 nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit durch Streiks verloren. Für frühere Jahre hat die Agentur die Daten nicht getrennt nach Bundesländern, sondern nur nach Regionen erfasst. Gut ein Viertel geht mit 3155 Tagen in dieser Zeit aufs Konto des Gesundheitswesens.

Angesichts von Arbeitskämpfen bei Post, Kitas und bislang eben bei der Bahn dürfte die Streikbilanz in diesem Jahr in bundesweit und auch im Norden deutlich schlechter ausfallen. Allein bis Ende Juni rechnet das IW mit 600  000 Ausfalltagen – vier mal mehr als im Gesamtjahr 2014.

Zumindest bei der Bahn sind die Arbeitskämpfe bis Herbst 2016 aber vom Tisch. Das neue Tarifpaket enthält einen Bundesrahmentarifvertrag für das gesamte Zugpersonal, das bei der GDL organisiert ist. Den gab es bisher nur für die Lokführer. Nun sind auch Zugbegleiter, Bordgastronomen,  Lokrangierführer und Disponenten dabei. Zudem werden die Wochenarbeitszeit gesenkt und die Einkommen erhöht. Das bereits vom Parlament beschlossene Tarifeinheitsgesetz soll bis Ende 2020 bei der Bahn nicht angewendet werden – es hätte die Position der GDL geschwächt, die im Bahn-Konzern auch in Konkurrenz zur Eisenbahnergewerkschaft EVG steht.

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