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Fehlende Fachkräfte : Nord-Ostsee-Kanal: Ausbau in Gefahr

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Die Verbreiterung der Oststrecke vor Kiel wird problematisch. Denn für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals fehlen vor allem Bauingenieure und Landschaftsplaner. Aus drei Gründen wird es nicht leicht, Fachleute nach Holtenau zu holen.

Kiel/Berlin | Noch gut eine Woche – dann könnte der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals losgehen. Wenn bis Ende Februar niemand gegen die Pläne zur Verbreiterung und Begradigung der 20 Kilometer langen Oststrecke vor Kiel klagt, wäre das bundeseigene Wasser- und Schifffahrtsamt Holtenau frei, die Arbeiten im Detail zu planen, auszuschreiben und im ersten Abschnitt die Bagger rollen zu lassen. Aber nun droht ein neues Problem: Es fehlen Fachkräfte, um das Projekt auf den Weg zu bringen.

Zwar ist auch das Geld für den 70 Millionen Euro teuren ersten Bauabschnitt noch nicht im Bundesetat gesichert. Doch das hält Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) für die kleinere Schwierigkeit. „Die Realisierung des ersten Bauabschnitts im Bereich Königsförde/Groß-Nordsee hängt vor allem davon ab, ob das zusätzlich erforderliche Planungs- und Bauleitungspersonal bereitgestellt werden kann“, lässt Dobrindt seinen Sprecher auf die Frage unserer Zeitung antworten, ob es nächstes Jahr finanziellen Spielraum für den insgesamt 265 Millionen Euro teuren Oststrecken-Ausbau gebe.

Derzeit sei „die Personalausstattung in der Schifffahrtsverwaltung durch die jahrelangen haushaltsrechtlichen Einsparauflagen äußerst knapp bemessen“,  räumt Dobrindts Sprecher ein. Für den Kanalausbau fehlen laut Gewerkschaft Verdi vor allem Bauingenieure und Landschaftsplaner. Während der Bund für die Sanierung der Brunsbütteler Schleusen ein elfköpfiges Spezialteam gebildet hat, gebe es in Holtenau bisher gerade mal eineinhalb Stellen für die Verbreiterung der Oststrecke – nötig seien zum Start mindestens fünf, später zwanzig. „Ohne ein vernünftiges Personalkonzept ist ein baldiger Baubeginn völlig unrealistisch“, sagt Verdi-Nord-Vertrauensleutesprecher Mathias Stein, der auch Personalratschef im Schifffahrtsamt Holtenau ist.

Leicht wird es nicht, Fachleute nach Holtenau zu holen. Erstens würden in der Schifffahrtsverwaltung weiter Jobs abgebaut und kaum neue geschaffen, kritisiert Stein. Zweitens gilt laut Dobrindts Sprecher künftig die Devise: Erhalt vor Aus- und Neubau. Daher hätten bei der Zuteilung des Personals „prioritäre Ersatzinvestitionen ins Bestandsnetz Vorrang vor Ausbauinvestitionen“ wie am Kanal. Drittens müssen die Schifffahrtsämter mit ihren oft nur befristeten neuen Stellen mit anderen staatlichen Arbeitgebern konkurrieren, die ebenfalls Projektmanager suchen – etwa für den Stromnetzausbau oder die A-20-Fortführung.

Wohin der Mangel an Planern führt, bekam in den letzten beiden Jahren schon Dobrindts Vorgänger und Parteifreund Peter Ramsauer zu spüren: Er konnte sein Wasserstraßenbudget mangels fertig geplanter Projekte zweimal nicht ausschöpfen. So gingen seinem Etat fast 150 Millionen Euro unwiderruflich verloren.

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erstellt am 18.Feb.2014 | 06:30 Uhr

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