Bündnis „Zukunft im Norden“ : Nord-Allianz bekämpft Fachkräftemangel in SH

Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen.
Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen.

Am stärksten betroffen sind Handel, Kfz-Reparatur, Industrie, Pflege, Hotels und Gaststätten. Wirtschaftsminister Meyer zeigt Initiative – und wird von der UVNord gelobt.

Avatar_shz von
03. Dezember 2014, 13:55 Uhr

Kiel | Ein Lob von den Wirtschaftsverbänden – das bekommt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer nicht jeden Tag. Am Mittwoch war es soweit. Mit seiner Initiative zur Bekämpfung des Fachkräftemangels habe der SPD-Mann ins Schwarze getroffen , räumte UV-Nord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich ein: „Sie sind der Gewinner, weil Sie es geschafft haben, alle Akteure an einen Tisch zu bringen. Damit zeigen Sie vor allem kleineren Unternehmen, dass sie nicht alleine gelassen werden.“ Diese „Local Heros“ und nicht vorrangig die „Global Player“ seien auf Hilfe bei der Fachkräftegewinnung angewiesen.

Die Gefahr ist von den Machern in Politik und Verbänden längst erkannt, nur noch nicht überall an der Basis: 2030 werden fast 100.000 Fachkräfte fehlen. Davon 85.000 in Berufen, die eine duale Ausbildung (Lehre) erfordern. Handel, Kfz-Reparatur, Industrie, Pflege, Hotels und Gaststätten gehören zu den besonders stark betroffenen Bereichen.

Politik, Wirtschaft, Arbeitsagentur und Gewerkschaften im Norden haben deshalb vor zwei Jahren das Bündnis „Zukunft im Norden“ gegründet, um gegenzusteuern. „Wir setzen alles daran, um zu vermeiden, dass künftig ein Mangel an Fachkräften die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Schleswig-Holstein hemmt“, sagte Meyer beim Treffen der Allianzpartner. In den vergangenen Monaten hatten über 80 Experten aus allen Partnerorganisationen fünf Schwerpunkte ausgemacht. Einer davon: Der Übergang von Schule und Beruf muss besser funktionieren. „Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Jugendlichen zu verlieren“, erklärte Meyer. Allen müsse eine adäquate Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeit angeboten werden. Zuletzt hatte besonders DGB–Landeschef Uwe Polkaehn immer wieder kritisiert, dass nur über unbesetzte Azubi-Stellen geklagt werde, die Zahl der unversorgten Bewerber aber allein im vergangenen Jahr um gut 22 Prozent auf 3650 anstieg. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sank im gleichen Zeitraum um 5,8 Prozent auf 19.900 und damit erstmals seit 2005 wieder unter die 20.000er Marke.

Weitere Arbeitsschwerpunkte: Das Bündnis will stärker für die Vorzüge der dualen Ausbildung werben. „Deren gesellschaftlicher Stellenwert muss gesteigert werden. Es stimmt nicht, dass nur das Studium eine Karriere ermöglicht“, gab Meyer zu bedenken. Zudem soll die Abbrecherquote an den Unis (fast 30 Prozent) gesenkt und die Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft vertieft werden. „Da wird noch zu wenig miteinander geredet“, sagte Meyer. Eine bessere Einbeziehung von Migranten und Älteren steht ebenfalls auf der Agenda. „Der Jugendwahn der Vergangenheit ist beendet“, versicherte Fröhlich. Die Unternehmen setzten wieder auf über 50-Jährige, die nicht nur erfahrener, sondern oft auch seltener krank seien als Jüngere.

Thomas Letixerant von der Regionaldirektion für Arbeit hob die sogenannten „ungenutzten Potenziale“ hervor. So haben von den aktuell 43.000 arbeitslosen Frauen in Schleswig-Holstein 19.400 einen Berufs- und 2600 einen Studienabschluss, allerdings sind auch 8700 alleinerziehend. „Um dieses große Potenzial für den Arbeitsmarkt zu nutzen, brauchen wir neue Arbeitszeitmodelle und bedarfsgerechte Kinderbetreuung. Zur Umsetzung der 130 gesammelten Ideen wird 2015 ein „Kompetenznetzwerk Fachkräftesicherung und Weiterbildung“ seine Arbeit aufnehmen, ausgestattet mit einem Jahresbudget von 500.000 Euro.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen