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Eigenheim in SH : Niedrige Zinsen: Eine Kreditfalle für Hauskäufer

vom

Verbraucherschützer warnen vor einer Überschuldung. Die Preise von Häusern und Wohnungen steigen weiter.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2015 | 06:36 Uhr

Kiel | Verbraucherschützer mahnen angesichts historisch niedriger Zinsen für Immobilienkredite zur Vorsicht. „Das bringt zunehmend Leute in Versuchung, die sich Wohneigentum mittelfristig nicht leisten können“, warnt der Immobilien-Experte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Michael Herte.

Auch der Glaube, ein Haus zur Not wieder verkaufen zu können, sei riskant, betont Herte. „Sorgen mache ich mir insbesondere um diejenigen, die jetzt auf dem platten Land ein Haus kaufen und meinen, den Wert erhalten zu können.“ Angesichts des demografischen Wandels würden dort viele Käufer wegfallen. Schon heute erlebt der Verbraucherexperte Fälle, in denen Verkaufswillige im höheren Alter nicht den Erlös erzielen könnten, von dem sie sich eine Wohnung in der Stadt finanzieren möchten. „Mitunter fehlt dann schon das Geld, die Bude warm zu bekommen.“

Heute werden für Immobilienkredite vielfach Zinsen von 1,5 bis 2 Prozent fällig. Herte sieht nicht, dass die Sätze in zehn oder 15 Jahren – so eine häufige Laufzeit der Verträge – ähnlich niedrig sind. Schließlich sei das Niveau „doch nur künstlich durch die Europäische Zentralbank gemacht“. Peter-Georg Wagner vom Immobilienverband Deutschland- Nord sagt: „Sollten die Zinsen 2025 oder 2030 dann bei vier oder fünf Prozent liegen, mag das einzelnen das Genick brechen – die Masse aber ist das nicht, denn die Banken finanzieren in aller Regel solide.“ 

Bei einem Objekt zuschlagen soll laut Herte nur, wer die aktuell niedrigen Zinsen zu einer hohen Tilgungsrate von drei bis vier Prozent nutzen könne. Das sei die beste Art, um von den niedrigen Zinsen zu profitieren, denn dann sei ein nennenswerter Teil der Kredite zügig abbezahlt. Die selbe Empfehlung gibt der Vorsitzende des Eigentümerverbands Haus & Grund, Alexander Blazek. Den Ansturm auf Wohneigentum im Norden liest Blazek daran ab, „dass der Markt für Einfamilienhäuser leergefegt ist“.

Michael Möller, Vorstand der VR-Bank Flensburg-Schleswig, hat in den letzten 15 Jahren keine vergleichbaren Situation erlebt. Und das trotz anziehender Preise seit 2005. Allein zwischen 2012 und 2014 verteuerten sich nach einer Studie der Landesbausparkassen (LBS) Häuser um gut 13 Prozent, Wohnungen sogar um 24 Prozent. „Es gibt keine Anzeichen für eine Trendumkehr. Weil die Sparzinsen auf null stehen, muss das Kapital irgendwohin“, erklärt LBS-Sprecherin Sabine König. Zugleich würden die steigenden Immobilienpreise nicht solvente Kauf-Interessenten davon abschrecken, Eigentum zu erwerben, meint VR-Vorstand Möller.  

Trotz des Preis-Schubs sind sich alle Experten einig: Von einer spekulativen Blase könne im Norden keine Rede sein. Zum selben Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

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