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Flughafen Blankensee : Neustart am Airport Lübeck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der chinesische Unternehmer Chen ist jetzt Hausherr am Lübecker Flughafen Blankensee. Er verzichtet auf eine Rücktrittsklausel.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
erstellt am 02.Aug.2014 | 10:38 Uhr

Lübeck | „Ich versichere Ihnen: Wir haben vor, lange in Lübeck zu bleiben“, sagte Chen Yongqiang, neuer Eigentümer des Lübecker Flughafens. Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahr sollen die chinesischen Investoren um Chen dem Regionalflughafen eine wirtschaftliche Perspektive geben – so hoffen es zumindest Politik und Mitarbeiter. Chen und seine PuRen Group wollen über Lübeck-Blankensee Medizintouristen nach Lübeck holen, Piloten ausbilden. „Wir möchten möglichst viele Win-Win-Situationen schaffen“, sagte Chen in der Feierstunde anlässlich der Übernahme des Flughafens.

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe war hoch erfreut über den Neustart des Airports durch Chen. „Sie sprühen gerade vor Ideen, was man mit dem Flughafen machen kann“, sagte Saxe.

Ob dieses Konzept aufgeht, wird sich zeigen müssen. Beispiele, dass mitunter zumindest viel Geduld gefragt ist, wo Investoren aus Fernost auftreten, gibt es reichlich. Eines dieser Beispiele liegt rund 110 Kilometer von Lübeck entfernt, in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Aus einem ehemaligen russischen Militärflug- und später Regionalflughafen sollte eine Drehscheibe für den internationalen Frachtverkehr entstehen. So kündigte es der chinesische Investor Jonathan Pang zumindest damals an – das war 2007. Von einer solchen Drehscheibe ist der Flughafen heute noch immer weit entfernt. In den letzten Jahren wurden verschiedene Übungsflüge unternommen – unter anderem mit einem A 380. Im vergangenen Jahr wurde nach vielfachen Verzögerungen ein Tower gebaut. Einen regelmäßigen Flugverkehr gibt es an dem Airport – der als einer von ganz wenigen in Deutschland 24 Stunden am Tag angeflogen werden darf – aber bis heute nicht. Pang hält dennoch an seiner Vision fest. Das lange Warten auf deren Umsetzung hat zwischenzeitlich schon Dokumentarfilmer inspiriert. Vor einem Monat kündigte Pang den Bau eines zweistöckigen Terminals an – inklusive Hotel der gehobenen Klasse. Dass die Passagiere dafür folgen werden, daran glaubt die Politik in der strukturschwachen Region weiterhin.

In Lübeck plant der chinesische Investor, den Flughafen „strategisch zu entwickeln“, sagte Chen. So solle vor allem der Linien- und Charterverkehr auf solide Füße gestellt werden. Der neue Geschäftsführer des Flughafens, Markus Matthießen, konnte zumindest gestern einen ersten Erfolg vermelden: Es werde im Herbst Charterflüge von Lübeck ins türkische Antalya geben.

Chen hatte den Lübecker Flughafen Anfang des Monats zu einem nicht genannten Preis gekauft und ihn so in letzter Minute vor dem Aus bewahrt. Damit seien auch die 92 Arbeitsplätze gesichert. Auf eine Rücktrittsklausel im Vertrag verzichtete Chen. Insolvenzverwalter Klaus Pannen war in seiner „Abschiedsrede“ froh darüber, „dass es gelungen ist, den Flughafen zu retten. Er ist ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur Lübecks und Schleswig-Holsteins.“

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