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Erneuerbare Energien : Neues Ökostrom-Ranking: Bayern hängt SH ab

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holstein fällt im Ranking vom Treppchen. Wird im Norden zu wenig in erneuerbare Energien investiert?

Berlin/Kiel | Bayern ist führend bei den erneuerbaren Energien, Schleswig-Holstein fällt von Platz drei auf Platz sechs zurück – das ergibt sich aus einem großen Bundesländervergleich, den die Agentur für erneuerbare Energien gestern in Berlin vorgestellt hat. „In Bayern ist der Ausbau der erneuerbaren Energien am weitesten fortgeschritten“, lobte Jochen Diekmann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das die Studie für die Agentur erstellt hat.

Insgesamt 60 Indikatoren haben die DIW-Forscher in den alle zwei Jahre angestellten Ländervergleich einfließen lassen. Dass das zuletzt zweitplatzierte Bayern diesmal Brandenburg als Spitzenreiter ablöst, liegt unter anderem am rasch fortschreitenden Ausbau der Solarkraft im Süden. Bayern könne daher „die größten Erfolge bei der Nutzung erneuerbarer Energien vorweisen“, loben die Forscher. Kaum ein anderes Land habe den Anteil der erneuerbaren Quellen am Energieverbrauch so schnell gesteigert. Mit gut 14 Prozent ist Bayern nahezu genauso weit wie Schleswig-Holstein. Da die verwendeten Zahlen allerdings aus 2011 stammen, lässt die Studie zum Beispiel den diesjährigen Rekordausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein außer Acht.

Aktuelle politische Entwicklungen berücksichtigen die Forscher dagegen. So kritisieren sie, dass die CSU-Regierung in Bayern das Aufstellen von Windrädern jetzt deutlich erschwert hat und die Mindestabstände zu bewohntem Gebiet auf bis zu zwei Kilometer erhöht hat. Zudem stellt Ministerpräsident Horst Seehofer neue Stromtrassen für Windstrom aus Norddeutschland in Frage. „Bei der Bewertung der Landespolitik zu erneuerbaren Energien ist Bayern daher vom ersten auf den letzten Platz gefallen“, erklären die Forscher. Doch im Gesamtranking wirkt sich das kaum aus.

Schleswig-Holstein dagegen fällt vom Treppchen der besten drei herunter. Dass das nördlichste Bundesland diesmal nur auf Platz sechs hinter Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg landet, liegt vor allem am nachlassenden Forschungseifer für die erneuerbaren Energien. Die Ausgaben des Landes seien „relativ gering“, schreiben die DIW-Forscher. Der Kieler Energieminister Robert Habeck will das jetzt mit Hilfe von EU-Geld ändern: „In der jetzt anlaufenden neuen Förderperiode sollen mindestens 40 Prozent der Fördermittel für Projekte der Energiewende, des Klimaschutzes, zur energetischen Optimierung sowie entsprechende Forschungs- und Entwicklungsprojekte verwendet werden", kündigte der Grünen-Politiker gestern an.

Gleichzeitig freute er sich, dass Schleswig-Holstein im Ranking bei den „politischen Anstrengungen zur Nutzung der erneuerbaren Energien“ auf Platz eins liegt. „Das bestätigt uns in unserem Kurs", sagte Habeck. Auch zeigte er sich zufrieden, dass die Studie die hohe Akzeptanz des Netzausbaus im Norden hervorhebt. „Das ist besonders erfreulich“, sagte Habeck. In Sachen Vorbildfunktion verbessert sich das Land zwar etwas – landet aber weiterhin in der unteren Hälfte. Ein Grund dafür: Auch unter der rot-grün-blauen Küstenampel werden die meisten landeseigenen Gebäude nicht mit Ökostrom versorgt – sondern oft sogar noch mit Atomstrom.




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erstellt am 26.Nov.2014 | 18:50 Uhr

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