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Ausbildungsmarkt in SH : Neues Ausbildungsjahr: Noch viel Bewegung auf dem Lehrstellenmarkt

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In SH sind mehr Lehrstellen frei als suchende Bewerber – die Rechnung geht für einige trotzdem nicht auf.

Kiel | Rein rechnerisch steht auf dem Lehrstellenmarkt in Schleswig-Holstein alles zum Besten. Nach Angaben der Arbeitsagentur vom Dienstag stehen 6300 unbesetzten Ausbildungsplätzen 6200 noch suchende Jugendliche gegenüber. Folglich könnte auf dem Papier jeder Bewerber eine Lehrstelle bekommen. Doch die Lage in den Branchen ist zum Teil sehr unterschiedlich, wie die Regionaldirektorin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, erläuterte: Im Lebensmittelverkauf entfallen auf einen Suchenden 7,3 freie Stellen, bei Arzthelferinnen ist es nur eine halbe.

Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen ist im Vorjahresvergleich mit 7,6 Prozent stärker gestiegen als die der unversorgten Jugendlichen mit 4,8 Prozent. Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sei auf dem Lehrstellenmarkt noch viel in Bewegung, sagte Haupt-Koopmann. Ein großer Teil des Geschäfts werde im August und September gemacht. Gute Einstiegschancen gebe es besonders im Einzelhandel, im Handwerk sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Die Regionalchefin der Arbeitsagentur rief Betriebe und Jugendliche zur Flexibilität bei der Bewerber- und Berufsauswahl auf. Es gebe 330 Ausbildungsberufe. Haupt-Koopmann warb bei den Unternehmen auch für die Unterstützungsangebote der Arbeitsagenturen und Jobcenter. Dazu gehörten Einstiegsqualifizierungen und Ausbildungshilfe durch Coaches.

„Alle Jugendlichen bekommen am Ende ein Angebot“, sagte Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP). Sie sollten sich nicht nur auf einen Wunschberuf fixieren und auch räumlich flexibel sein. Die Lehrstelle müsse nicht immer gleich auf der anderen Straßenseite liegen. An die Unternehmer appellierte er zu bedenken, dass die Nachwuchssicherung ein zentraler Standortfaktor sei. Angesichts des Fachkräftemangels sei es im Interesse der Betriebe, möglichst alle Ausbildungsplätze zu besetzen - auch einmal mit Bewerbern, die vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick mit ihrer Qualifikation überzeugen. „Häufig wird mancher Bewerber auf den zweiten Blick zur ersten Wahl.“ Für manche Jugendlichen wäre es auch besser, statt des angestrebten Studiums eine Ausbildung zu absolvieren, sagte Buchholz.

Der DGB kritisierte, die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle sei seit Monaten auf einem Höchststand. Es gebe einen massiven Handlungsdruck auf Politik und Wirtschaft, sagte der DGB-Nord-Vorsitzende Uwe Polkaehn. „Ausbildungsbereitschaft und -fähigkeit der Unternehmen im Norden müssen deutlich gesteigert werden, um endlich allen jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu bieten.“ Weil Quantität, Vergütungen und vielfach auch die Qualität im Keller seien, drohe ein erheblicher Fachkräftemangel. „Nötig sind passgenaue Angebote, eine gesicherte Ausbildungsqualität und gute Perspektiven für die Berufslaufbahn.“

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erstellt am 01.Aug.2017 | 14:19 Uhr

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