Interview : Neue Wege für arbeitende Väter

Volker Baisch.
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Volker Baisch.

Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht es meist um Frauen - Firmenberater Volker Baisch zufolge ist es auch ein Männer-Thema.

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26. März 2013, 09:59 Uhr

Herr Baisch, Sie haben zunächst einen Verein ins Leben gerufen und später eine Unternehmensberatung gegründet. Beide befassen sich mit der Frage, wie Männer Kinder und Karriere unter einen Hut bringen können. Das Fundament für Ihre Aktivitäten waren eigene Erfahrungen in der Elternzeit. Um was ging es da?

Das ging schon vorher los. Als sich die Geburt unseres ersten Kindes ankündigte, war für mich und meine Frau klar, dass wir beide Elternzeit nehmen wollten. Ich war damals fest angestellt und so stellte sich für mich die Frage: Wie sage ich es meinem Chef? Ich bin da aus heutiger Sicht relativ naiv in das Gespräch gegangen. Ich habe erwartet, dass mein Chef sich freut. Das hat er im ersten Augenblick auch. Aber im zweiten, als ich gesagt habe, ich würde gern für ein Jahr aussteigen, drehte sich seine Stimmung ins Negative.

Warum hat Sie das Gespräch so geprägt?

Wenn eine Frau in Elternzeit geht, wird das heute nicht mehr groß hinterfragt - vielleicht noch die Länge, mehr aber nicht. Für sie spielt der Wiedereinstieg eine große Rolle. Für Männer dagegen ist der Ausstieg die große Herausforderung, denn eine Elternzeit ist immer noch alles andere als selbstverständlich, besonders in kleinen Betrieben. Wichtig sind Fragen wie: Wie plane ich meine Elternzeit? Und was sage ich im Gespräch?

Was macht denn ein gutes Gespräch aus? An der Nachricht, dass Sie für eine Weile weg sind, kommt man doch nicht herum.

Richtig. Entscheidend ist, dass ich weiß, was ich will und dass ich das mit meiner Frau abgestimmt habe. Sinnvoll ist es auch, mit der Partnerin verschiedene Szenarien zu entwickeln, um gegenüber dem Vorgesetzten flexibel sein zu können, falls er gegen die Länge oder die Lage der Elternzeit Einwände hat. Das gibt dem Mann große Sicherheit, weil er das Gefühl hat, im Gespräch souverän reagieren zu können.

Was ist für arbeitende Väter noch wichtig?

Dass sie über das Elternzeitgesetz genau Bescheid wissen und ihre Rechte kennen. Wir haben durch unsere Studie noch einmal bestätigt bekommen, dass gut ein Drittel der Väter nicht weiß, dass sie mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen können. Männer sollten sich also besser informieren und Unternehmen sollten über das Gesetz im Rahmen ihrer Unternehmenskommunikation proaktiv auf die werdenden Väter zugehen.

Ein bisschen drängt sich aber schon die Frage auf, ob es in dieser Sache wirklich so großen Beratungsbedarf gibt. Väter haben schon immer gearbeitet ...

Doch den gibt es. Das hat viel mit dem Elternzeitgesetz von 2007 zu tun. Zu Beginn wurde das Gesetz besonders von den Arbeitgebern etwas belächelt. Die Firmen haben gesagt: Ach, lass uns mal abwarten, die Väter kommen sowieso nicht. Inzwischen nehmen 30 Prozent ihr Recht in Anspruch und es werden jeden Monat mehr.

Viele Väter nehmen aber nur zwei Monate Elternzeit - und diese häufig zusammen mit der Frau ...

Ich kenne natürlich das Argument, dass die Familien nur lange Urlaub machen. Aber auch das ist legitim. Alles, was die Familie am Anfang stabilisiert und zusammenschweißt, ist wichtig, auch wenn es nur zwei Monate sind. Aber das sollte nur der Anfang sein.

Ändert sich Ihrer Ansicht dadurch auch etwas an den tradierten Rollenbildern?

Jein. Unsere Studie zeigt, dass auf den Männern einerseits immer noch der größere wirtschaftliche Druck lastet. Das heißt, sie fühlen sich immer noch als der Familienernährer. Andererseits haben bei unserer Studie 93 Prozent gesagt: Mein Kind ist mir das Wichtigste - und das nicht nur am Wochenende, sondern unter der Woche. Und diese Männer sortieren in der Elternzeit dann nicht ihre CD-Sammlung oder bauen die Garage. Das sind Klischees. Die Mehrheit der Männer will die enge emotionale Beziehung zum Kind aufbauen.

Bekommen Sie bezüglich Ihrer Arbeit eigentlich Reaktionen von Frauen? So nach dem Motto: Jetzt geht es schon wieder um die Männer?

Ja, schon. Als wir den Firmen unsere Beratungstätigkeit vor etwa anderthalb Jahren angeboten haben, kam die Antwort: Bei uns steht jetzt Frauenförderung ganz oben. Das Thema Väter passt leider nicht. Obwohl es ziemlich offensichtlich ist, dass jede Frau in einer Führungsposition auch einen flexiblen, familienorientierten Mann braucht, und sich die Unternehmenskultur mittelfristig nur ändert, wenn auch männliche Führungskräfte Angebote wie Elternzeit, Homeoffice und flexible Arbeitszeitgestaltung nehmen. Wichtig aus unserer Erfahrung ist, dass das Thema Frauen in Führung nicht gegen das Väterthema ausgespielt wird (und umgekehrt), sondern dass alle Zielgruppen in einen neuen Dialog eintreten, um neue Lösungen für alle zu finden.

Dann gibt es seitens der Frauen also breite Unterstützung für Ihr Tun?

Es gibt auch kritische Reaktionen. Wir spüren, dass da noch viel Frust und Ärger ist. Teilweise zu Recht. Das Thema arbeitende Mütter und auch die Debatte um mehr Frauen in Führungspositionen ist lange nicht ernst genommen worden. Da hat sich erst in den letzten Jahren etwas getan.

Was können denn Firmen dazu beitragen, dass arbeitende Väter und Mütter im Gleichgewicht sind?

Genügend Instrumente, wie Teilzeit oder Homeoffice gibt es in vielen Unternehmen bereits. Das Fundament ist also geschaffen. Das Wichtigste ist jetzt, den einzelnen Zielgruppen - wie z.B. den Vätern - konkrete Angebote zu machen, und diese breit und authentisch zu kommunizieren. So dass auch Männer das Gefühl haben, dass auch sie Beruf und Familie vereinbaren können und nicht nur die Frauen gemeint sind.

Könnten Sie sich vorstellen, dass es in einigen Jahren keine getrennten Angebote mehr für Mütter und Väter gibt?

Ja. Wir brauchen aber noch fünf bis zehn Jahre - dann wird es nicht mehr um den Mann oder die Frau gehen, sondern um das Elternpaar. Oder die ganze Familie, wenn es um betriebliche Kinderbetreuung geht.

Volker Baisch entwickelte mit Unterstützung der Hertie-Stiftung und des Hamburger Senats 2002 die Internetplattform www.vaeter.de. 2004 gründete er auch einen Verein. Heute ist er Geschäftsführer der Unternehmensberatung Väter gGmbH.

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