Windenergie : Neue Nüchternheit

Die Aufbruchstimmung ist vorbei - und der Energiewende droht der Absturz, weil es ihr an einem Plan fehlt. Ein Kommentar von Helge Matthiesen.

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12. November 2013, 07:17 Uhr

Husum | Wenn es ein Thema gibt, bei dem eine große Koalition nützlich sein kann, dann ist es die Energiewende. Sie ist tendenziell so komplex, dass ein politischer Grundsatzstreit in eine gefährliche Schieflage führen könnte, aus der die Republik nur mit wirtschaftlichem Schaden herauskäme. Ein sachlicher Kompromiss muss her. Denn auch an einer anderen Stelle gibt es Konsens: So wie es bisher gelaufen ist, kann es nicht weitergehen. Das unübersichtliche System aus Subventionen, Umverteilungen und Ausnahmeregelungen hat zu finanziellen Belastungen geführt, die für viele Menschen nicht zu tragen sind. Der Energiewende droht der Absturz, weil es ihr an einem Plan fehlt.

Die Aufbruchstimmung des Anfangs weicht einer neuen Nüchternheit. Der Kompromiss zwischen Union und SPD, so wie er sich jetzt andeutet, sucht einen Ausgleich zwischen planwirtschaftlichen Eingriffen und Marktmechanismen, zwischen den großen Investoren und den kleinen Stromkunden. Er markiert einen Wendepunkt: Nach dem schwungvollen Start kommen jetzt die Mühen der Ebene. Wenn sogar Politiker der Grünen dem etwas abgewinnen können, dann liegen die Unterhändler nicht ganz falsch.

Schleswig-Holstein wird sicherlich Federn lassen müssen. Es wird definitiv weniger Geld in den Norden fließen, wenn sich die Förderung für Windenergie ändert. Da der Ausbau der Anlagen auf See zurückgefahren wird, werden auch Arbeitsplätze in den Produktionsbetrieben, bei der Hafenwirtschaft und in der Logistik berührt sein.

Das Land muss seine eigenen Investitions- und Fördervorhaben überprüfen. Noch vor zwei Jahren ging die Vorstellung um, der Wind sei so etwas wie die Kohle des 21. Jahrhunderts und Schleswig-Holstein mache sich auf den Weg in eine glanzvolle industrielle Zukunft. Jetzt darf der Norden schon zufrieden sein, wenn wenigstens weiter investiert wird. Das immerhin scheint auch in Zukunft der Fall zu sein.

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