Gewässerschutz : Neue Ideen gegen die Gülle-Flut

Ein Gülle-Gespann auf einem Acker: Vom 1. November bis zum 31. Januar gilt  hier eine Sperrfrist für das Ausbringen des Flüssigmists. Foto: grafikfoto.de
Ein Gülle-Gespann auf einem Acker: Vom 1. November bis zum 31. Januar gilt hier eine Sperrfrist für das Ausbringen des Flüssigmists. Foto: grafikfoto.de

Gülle darf nicht auf abgeernte Maisfelder, um das Trinkwasser nicht zu belasten. Viele Landwirte brauchen daher größere Tröge für die Lagerung. Umweltminister Habeck will beim Gewässerschutz helfen.

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26. November 2012, 11:19 Uhr

Kiel/Rendsburg | Ein Problem liegt dem grünen Umweltminister besonders am Herzen: "Dass die Produktion von Lebensmitteln die Lebensgrundlage Wasser zerstört, können wir alle nicht wollen", hatte Robert Habeck auf dem Bauerntag Ende August in Osterrönfeld bei Rendsburg deutlich gemacht. Damit sprach er das Ausbringen von Gülle und Gärresten an. Geschieht dies im Übermaß oder gar rechtswidrig auf abgeernteten Maisstoppeln, gelangt überschüssiger Stickstoff in den Untergrund - am Ende kommt nitratbelastetes Trinkwasser in die Haushalte. Bis Weihnachten wollte der Umweltminister im Dialog mit den Bauern und der Landwirtschaftskammer "ein wirksames Maßnahmenpaket" geschnürt haben.
Bis dahin forderte Habeck Mäßigung. Offenbar mit Erfolg: Weniger Gülle und Gärreste seien rechtswidrig auf abgeerntete Maisfelder ausgebracht worden, teilte das Umweltministerium in Kiel mit. Dazu beigetragen hätten nicht nur intensive Kontrollen. Vielmehr sei Anfang Oktober auch ein Förderprogramm mit einem Budget von 1,7 Millionen Euro für die Ausweitung der Lagerkapazitäten aufgelegt worden. Denn das Ausbringen der Gülle hänge vor allem mit Engpässen bei der Lagerung zusammen, so Habeck. "Die Landwirte haben versäumt, rechtzeitig aufzustocken."

Moderne Gülle-Tröge umfassen 2000 Kubikmeter

Der Bedarf an Lagerplatz und damit an Fördergeldern war tatsächlich riesig. "Die Mittel sind bereits nahezu ausgeschöpft", berichtet Klaus Dahmke, Sprecher des Bauernverbandes in Schleswig-Holstein. So um die 70 neue "Pötte" dürften entstanden sein, schätzt Dahmke. Die modernen Gülle-Tröge umfassten 2000 Kubikmeter - also zwei Millionen Liter. Früher seien 500 Kubikmeter üblich gewesen.
Dass die Bauern heute riesige Tröge benötigen, hängt auch mit dem Strukturwandel bei der Viehhaltung zusammen. Viele Landwirte verarbeiten die Ausscheidungen der Tiere - vor allem Rinder und Schweine - nicht mehr zu Festmist, sondern eben zu Flüssigmist. Überdies hat sich die Zahl der Viehhalter drastisch verringert, die der Tiere ist dagegen weniger stark zurückgegangen. Nach Angaben von Bauernsprecher Dahmke verteilen sich im Land derzeit 1,5 Millionen Schweine auf 1200 Halter. Bei den Rindern sind es 1,1 Millionen Tiere bei etwa 8600 Viehhaltern, davon 379.000 Milchkühe in etwa 4500 Betrieben.

Immer wieder Verstöße gegen Gülleverordnung

Bei dem Bestand gibt es mächtige Hinterlassenschaften. Eine Milchkuh allein hinterlässt etwa 20 Kubikmeter pro Jahr, rechnet Dr. Eckhard Boll, Leiter des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp im Kreis Plön, vor. Bei einem Bestand von 100 Kühen samt Jungtiere addiere sich dies auf 2500 bis 3000 Kubikmeter im Jahr. "Wenn der Landwirt so zwischen 70 und 100 Hektar Futterfläche vorhält, kann er diese Menge jedoch bequem ausbringen", sagt Boll. Natürlich gebe es auch Bauern, deren "Pötte" überlaufen, ergänzt Dahmke. Die müssten sich in der Nachbarschaft umsehen, ob sie nicht bei einem Kollegen überschüssige Gülle einlagern können.
Eindringlich wurden die Bauern in diesem Herbst an die Gülleverordnung erinnert. Dennoch seien mindestens 15 Verstöße registriert worden, so das Ministerium. Acht Landwirte seien im Kreis Schleswig-Flensburg erwischt worden, zwei Verstöße würden noch bearbeitet. Fünf Verstöße gab es in der Landesmitte sowie zwei im südwestlichen Schleswig-Holstein. Die Landwirte hätten stets ohne aktuellen Dünge bedarf Gülle und Gärreste auf die Fläche ausgebracht. So gebe es nach dem Anbau von Mais keinen Düngebedarf, "auch dann nicht, wenn eine Folgekultur angebaut wird", so Nicola Kabel, Sprecherin im Umweltministerium.

Schleswig-Holstein hat ein Nitrat-Problem

Um weitere Güllelager-Engpässe zu vermeiden, "würden wir uns eine weitere Förderung wünschen", sagt der Bauernsprecher mit Blick auf die laufenden Gespräche zum Gewässerschutz. Trotz Meinungsverschiedenheiten mit dem Ministerium gebe es aber eine "vernünftige Gesprächsebene", anerkennt Dahmke. "Wir werden uns nicht in die Schmollecke zurückziehen."
Dies würde auch nichts bringen. "Wir haben in Schleswig-Holstein ein Nitrat-Problem", hatte Robert Habeck beim Bauerntag gesagt. Und er habe den Handlungsauftrag, dieses Problem zu lösen, gerne im Einvernehmen mit den Landwirten.

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