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Sparkasse Südholstein : Nachbarschaft ohne Bankfiliale - „ein Fehler“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Sparkasse Südholstein schließt elf Filialen. Das Sterben der Geschäftsstellen in Schleswig-Holstein setzt sich damit fort. Experten warnen vor einer gefährlichen Abwärtsspirale.

Flensburg/Neumünster | Die Sparkasse Südholstein streicht Filialen und baut SB-Standorte ab. In elf kleinen Filialen soll Anfang nächsten Jahres Schluss sein, wie das Kreditinstitut am Wochenende mitgeteilt hat. Standorte in Neumünster seien ebenso betroffen wie Filialen in den Kreisen Pinneberg und Segeberg. Das Sterben der Filialen und Geschäftsstellen in Schleswig-Holstein setzt sich damit fort. Experten warnen vor einer gefährlichen Abwärtsspirale.

Vollwertige Geschäftsstellen und SB-Filialen zusammengerechnet ist allein die Zahl der Sparkassen-Filialen von 2008 bis Mitte dieses Jahres um 2,5 Prozent zurückgegangen. Zwar wurde auch bei Genossenschafts- und Privatbanken zuletzt regelmäßig der Rotstift angesetzt, anders als diese besitzen die Sparkassen jedoch einen öffentlichen Auftrag. Diesem würden sich die Institute gerne stellen, sagte ein Sprecher des Sparkassen- und Giroverbands Schleswig-Holstein (SGVSH) gestern auf Anfrage. „Trotzdem müssen wir unser Geld am Markt verdienen.“ Ein Problem für die Sparkassen sieht der Verband zudem darin, dass das Filialgeschäft gehalten, der Bereich des Online-Bankings aber ebenfalls ausgebaut werden müsse. „Das bindet erheblich Investitionen und finanzielle Kräfte“, so der Verbandssprecher. Und so verweist auch Ralph Schmieder, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Südholstein, im aktuellen Fall darauf, dass der „sinkenden Kundenfrequenz in den Filialen hohe Kosten gegenüber“ stünden. Künftig will die Sparkasse Südholstein verstärkt auf Beratung setzen. Auch dazu soll das Zusammenlegen der Filialen beitragen. „Die Fachkompetenz für eine komplexe Beratung können wir für die wenigen Fälle, in denen sie auf den Dörfern nachgefragt wird, nicht überall vorhalten“, so Schmieder.

Claus-Peter Praeg vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation sind solche Argumente bekannt. Praeg betreutet das Projekt „Bank und Zukunft“, in dem Wissenschaftler mit Vertretern von Banken und Finanzdienstleistern die Situation der Branche erörtern. In den letzten 20 Jahren seien die Kunden dazu erzogen worden, den Filialen fernzubleiben.

„Diesen Fehler der vergangenen Jahre bereuen sie jetzt bitterböse.“ Die Kundenbindung sei oftmals auf der Strecke geblieben. Profiteure seien die Direktbanken und diverse Nischenanbieter. „Diese Entwicklung sehen wir mit großer Sorge“, so Praeg und verweist auf die Autohäuser. „Kaum eine Bank macht noch Autofinanzierungen“, so der Experte. Dies übernehmen die Automobilbanken. „Die haben ihre Filiale in jedem Autohaus.“ Ähnlich verhalte es sich bei anderen Bereichen. Geschäftsfeld für Geschäftsfeld breche weg. Das Internet-Geschäft hätten die Kreditinstitute sich von Dienstleistern wie Paypal aus der Hand nehmen lassen. „Die großen Internetkonzerne haben alle Banklizenzen“, warnt Praeg bereits. Bislang würden diese noch nicht genutzt. Sollte sich das ändern, dürfte das den Druck auf Banken und Sparkassen zusätzlich erhöhen. Der SGVSH geht indes derzeit nicht davon aus, dass mittelfristig viele weitere Filialen dicht gemacht werden. Die Sparkassen-Landschaft im Norden habe sich im Laufe der vergangenen Jahre konsolidiert. „Wir haben da schon eine gewisse Stabilität erreicht.“

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erstellt am 29.Okt.2013 | 08:15 Uhr

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