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Flugausfälle bei Germanwings : Nach Streik in Hamburg: Am Wochenende kann es weitergehen

vom

Bis 12 Uhr streikten die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings - auch 28 Flüge in Hamburg wurden gestrichen. Der Streik könnte jetzt auf die Lufthansa ausgeweitet werden.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2014 | 16:37 Uhr

Hamburg | Ein Streik der Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings hat am Freitag auch den Flugbetrieb am Hamburger Flughafen beeinträchtigt. 28 Flüge wurden gestrichen, unter anderem nach Wien, Köln, Düsseldorf und Stuttgart. Trotz des Ausstandes blieb die Situation weitgehend entspannt. Die meisten Reisenden seien offenbar über den Streik informiert gewesen, nur vereinzelt seien Menschen an die Schalter gekommen, die nicht davon gewusst hätten, sagte eine Sprecherin von Germanwings. Sie wies daraufhin, dass trotz vieler gestrichener Verbindungen im Inland Urlaubsziele angeflogen würden. „96 Flüge finden statt“, sagte die Sprecherin.

Auch Flughafensprecherin Stefanie Harder sprach von einer ruhigen Lage. Es gebe zwar Schlangen an den Ticketschaltern, aber die frühe Information habe die Situation entspannt. Sie rechnete aber auch nach dem Ende des Streiks am Mittag mit vereinzelten Streichungen von Flügen.

Bundesweit hatte Germanwings bis 12 Uhr 116 von insgesamt 164 Flügen gestrichen. Von den Ausfällen waren nach Schätzungen der Fluggesellschaft rund 15.000 Passagiere betroffen. Sie konnten ihre Flüge kostenlos umbuchen oder stornieren. Begonnen hatte der Streik um 6 Uhr.

Einer der betroffenen Reisenden, die vorher vom Streik nichts mitbekommen hatten, war der israelische Arzt Imam Aschra. Wegen einer Fortbildung habe er die vergangenen Tage in Hamburg verbracht. „Mein Flug nach Wien wurde gestrichen. Jetzt muss ich hier drei Stunden auf den nächsten Flug warten und in Wien noch mal acht Stunden, bevor ich nach Tel Aviv fliegen kann“, sagte der 29-Jährige am Morgen am Hamburger Flughafen.

Der Konflikt zwischen Lufthansa und ihren Piloten droht unterdessen zu eskalieren: Ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schloss am Freitag nicht aus, dass der Pilotenstreik von der Tochter Germanwings am Wochenende auch auf die Mutter Lufthansa ausgeweitet wird. Am Freitag mussten bundesweit Tausende Passagiere von Germanwings ihre Reisepläne ändern.

Am Wochenende könnten von Streiks die Lufthansa und deren Frachttochter Cargo betroffen sein, sagte der VC-Sprecher. Mit „leichten Nadelstichen“ wolle die Pilotengewerkschaft das Unternehmen im Streit um den bezahlten Vorruhestand für Flugkapitäne zum Einlenken bewegen.

Fragen und Antworten zu den Flugausfällen:

Wo kann ich sehen, ob mein Flug gestrichen ist?

Die Nummer des deutschen Call Centers ist folgende: 0180 6 320 320. Von 5 bis 24 Uhr erreichbar.

Erste Ansprechpartner an Streiktagen sind Reiseveranstalter und Fluggesellschaft. So bietet die Muttergesellschaft Lufthansa auf ihrer Website aktuelle Informationen zu An- und Abflügen von allen deutschen Flughäfen. Passagiere können auch unter „Meine Buchungen“ auf der Germanwings-Seite prüfen, ob ihr Flug betroffen ist. Bei Daten aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben. Weitere Informationen zu einem Ersatzflugplan sowie Hotline-Nummern stellt die Germanwings auf ihrer Website zu Verfügung.

Wann darf ich einen Flug aufgrund eines Streiks kostenlos stornieren?

Um ihren Flug kostenlos stornieren zu können, müssen Fluggäste sich zunächst an die Airline wenden: „Sie muss Gelegenheit bekommen, eine Ersatzbeförderung zu organisieren“, erläutert Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. Sie ist dazu verpflichtet, diese schnellstmöglich anzubieten. Erst wenn sie das nicht tut, kommt eine kostenlose Stornierung in Betracht. „Wichtig ist jedoch, dass die Kunden diese Aufforderung belegen können, wenn sie später stornieren wollen oder auf eigene Faust eine Ersatzbeförderung organisieren.“ Daher fordern Betroffene diese am besten schriftlich ein. Kümmert sich die Airline nicht, sei das anhand eines E-Mail-Verkehrs leichter zu belegen als bei einem Telefonat. Bei einem Gespräch am Schalter kommt auch eine schriftliche Bestätigung durch die Mitarbeiter in Betracht.

Wie lange muss ich am Flughafen auf eine Ersatzbeförderung warten?

Grundsätzlich müssen Fluggäste in Kauf nehmen, dass es auch bei der Ersatzbeförderung zu einer Verzögerung kommt, so Degott. Allerdings müsse die im Verhältnis zur Flugdauer stehen. Auf ein Ende des Streiks sollten sich Flugreisende am Freitag jedenfalls nicht vertrösten lassen. Wem das Warten auf eine angekündigte, aber nicht erfolgte Ersatzbeförderung zu lang wird, kann nach einer angemessenen Frist immer noch seinen Flug stornieren. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. Und ob die Gäste auf eigene Faust schneller oder zum gleichen Preis ans Ziel kommen, ist keineswegs sicher. Organisiert die Airline hingegen die Ersatzbeförderung, muss sie auch eventuelle Mehrkosten übernehmen.

Welche Ansprüche habe ich, wenn ich am Flughafen strande?

Die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. Das ist für den Ausstand morgen jedoch nicht zu befürchten.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtsprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks grundsätzlich der Fall.

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