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Nach Sparkassen-Einstieg: Kieler Finanzdienstleister Payone auf Wachstumskurs

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
erstellt am 27.Nov.2015 | 00:35 Uhr

Viele Erfolgsgeschichten im Internet schreiben US-Unternehmen. Doch eine wird seit mehreren Jahren in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt vorangetrieben. Dort hat Payone seinen Sitz – ein Zahlungsdienstleister für das Internet, von dessen rasanter Entwicklung seit vergangenem Jahr auch die Sparkassen profitieren wollen.

Zum wiederholten Male wurde Payone vor wenigen Tagen zu einem der am schnellsten wachsenden Unternehmen in ganz Deutschland gekürt. In einem gemeinsamen vom Focus-Magazin und dem Daten-Anbieter Statista erstellten Ranking schafft es die Kieler Firma in der Kategorie der Finanzdienstleister auf Platz fünf.

In Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt laufen die finanziellen Fäden von rund 3000 großen Online-Shops zusammen. Payone wickelt für sie das Zahlungsgeschäft ab – ganz gleich, ob Kunden über Kreditkarte, Bankeinzug oder eine anderen Weg ihre Rechnung im Netz begleichen wollen.

2003 wurde das Unternehmen von den beiden Kielern Jan Kanieß und Carl Frederic Zitscher gegründet. Es war kurz nach dem Ende ihrer Schulzeit. Die Zeit der großen Internet-Start-ups war noch fern. Das Online-Shopping war für viele Menschen das gelegentliche Bestellen von Büchern bei Amazon. Seit dem ist der Online-Handel explodiert. Und Payone war mit dabei.


Sparkassen verdienen am Internethandel


Seinen Sitz hat der Finanzdienstleister im Kieler Wissenschaftspark. In regelmäßigen Abständen mietete das Unternehmen zuletzt Flächen hinzu. Etage für Etage. Dezember 2014 stieg die Sparkassen-Finanzgruppe über die Tochter-Gesellschaft Deutscher Sparkassenverlag (DSV) mit ein, übernahm 80 Prozent der Anteile. Payone gilt seitdem als zentraler Baustein in der Strategie der Sparkassen, stärker im Internet mitzumischen.

Kanieß und Zitscher blieben alleinige Geschäftsführer – und bekamen freie Hand, wie Zitscher heute versichert. „Es gibt ehrlich gesagt kaum Veränderungen – außer dass das Unternehmen stark wächst“, sagt er. Weitere Flächen wurden angemietet, weitere Mitarbeiter eingestellt – jetzt unter dem Banner der Sparkassen.

Diese setzen neben Payone inzwischen gemeinsam mit anderen deutschen Geldhäusern auf Paydirekt, ein eigenes Online-Bezahlverfahren. Dem Namen zum Trotz ist es unabhängig von Payone und gilt als deutsche Antwort auf die Konkurrenz von Paypal. Nach Zitschers Einschätzung könnte nicht zuletzt die Reichweite der beteiligten Geldhäuser dessen Erfolg am Ende sichern.

Die Formel für künftigen Erfolg von Payone ist ähnlich. Je nach Zahlen, die man betrachtet, seien die Sparkassen die „größte Finanzgruppe Europas oder gar der Welt“, so Zitscher. „Also beste Voraussetzungen für uns.“ Die Kieler verdienen über Provisionen im Cent-Bereich – bei jeder Transaktion. Seit ihrem Einstieg verdienen die Sparkassen mit; ganz gleich, ob Kunden sich im Online-Shop für die Kreditkarte, Paypal oder eben Paydirekt als Bezahlmethode entscheiden.

Daneben haben die Kieler inzwischen eine Lizenz der Bankenaufsicht erhalten. Anstatt Händlern nur die Infrastruktur für Zahlungen bereitzustellen, verwaltet Payone künftig das Geld. „Was wir nicht dürfen, ist rausgehen und um Einlagen werben“, sagt Zitscher.

„Wir haben in den vergangenen Jahren viele Voraussetzungen geschaffen und Samen gesät, deren Ergebnisse wir jetzt ernten wollen“, sagt Zitscher.

Heute ist der Black Friday. Auch in Deutschland feiern Online-Shops zunehmend mehr mit Rabatten diesen Marketing-Tag des US-Einzelhandels. Payone dürfte es freuen – und die Sparkassen.

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