Rohstoffabbau : Mittelstand setzt auf Russland

Gigantische Anlagen: In Russland kann eine Ölpipeline Hunderte Kilometer lang sein. Damit das Öl von einem Ort zum anderen kommt, gibt es Pumpstationen wie diese.  Foto: Dpa
Gigantische Anlagen: In Russland kann eine Ölpipeline Hunderte Kilometer lang sein. Damit das Öl von einem Ort zum anderen kommt, gibt es Pumpstationen wie diese. Foto: Dpa

Laut einer Studie hofft die deutsche Wirtschaft im Osten auf gute Geschäfte beim Rohstoffabbau. Aber auch andere Märkte gewinnen dort an Attraktivität. Risiken bleiben trotzdem.

Avatar_shz von
18. September 2012, 12:28 Uhr

Kiel / Moskau | Erdöl, Erdgas, Kohle, Holz, Metalle - Russland hat gigantische Rohstoffvorkommen. "Russland zählt zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt und wird auch zukünftig ein wichtiger Partner für deutsche Unternehmen im Rohstoffsektor sein", sagt Peter Buchholz, der Leiter der Deutschen Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Laut einer aktuellen Studie könnten deutsche Firmen aber auch ein wichtiger Partner für Russland sein, wenn es um Technologien geht, diese Rohstoffe abzubauen. Für den schleswig-holsteinischen Mittelstand gewinnen zudem noch andere Branchen an Attraktivität. Viele Unternehmen haben allerdings ein gespaltenes Verhältnis zu dem Land. Sie fürchten Korruption, zu viel Bürokratie und Rechtsunsicherheit.

Herausgegeben wurde die aktuelle Studie "Rohstoffgigant Russland" von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), der Deutschen Rohstoffagentur und von Germany Trade and Invest (GTAI). "Deutsche Unternehmen und insbesondere der deutsche Mittelstand können im Hightechsektor Rohstoffförderung alles liefern, was Russland benötigt", sagt Rainer Seele, AHK-Präsident und Vorstandschef von Deutschlands größtem Erdöl- und Gasproduzenten Wintershall.

Sorge vor Rechtsunsicherheit und Korruption

Die Firma Mankenberg aus Lübeck ist so ein Mittelständler. Das Unternehmen, das bereits seit 1885 existiert und als Spezialist für Ventile und Regelungstechnik gilt, produziert unter anderem so genannte Druckentlastungsventile für Ölpipelines. Eine russische Pipeline kann durchaus Hunderte Kilometer lang sein und einen Durchmesser von 1,20 Meter haben. Damit das Öl von einem Ort zum anderen kommt, gibt es auf der ganzen Strecke Pumpstationen. Fällt eine dieser Pumpen mal aus, kann es zu Druckschlägen kommen. Um diese und damit auch Schäden an der Pipeline zu verhindern, kommen Druckentlastungsventile zum Einsatz. Mankenberg ist schon länger im Russlandgeschäft. Aktuell hat die Firma einen Auftrag in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Dabei geht es um die Lieferung von Druckentlastungsventilen nach Novorossiysk am Schwarzen Meer. Sie sollen im Hafen zum Einsatz kommen, dort, wo das Öl mit moderner Technik auf die Schiffe verladen wird.

Der Komplett-Brandschutzanbieter Minimax mit Hauptsitz in Bad Oldesloe ist bereits seit 1990 in Russland tätig. Anfangs seien es vereinzelte Aufträge gewesen, seit 2010/ 2011 ist der Markt richtig angezogen, heißt es seitens der Firma. Dabei stattet Minimax unter anderem Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie mit Speziallöschanlagen aus - so zum Beispiel 2011 auch Maschinen für eines der größten Pelletswerke der Welt in der russischen Hafenstadt Wyborg.

Thema ist der russische Markt auch bei der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes. Mit einem Schleswig-Holstein Business Center in Moskau unterstützt die WTSH Firmen dabei, dort Fuß zu fassen. Sie bietet nicht nur Infrastruktur, sondern auch Marktwissen, Erfahrung und ein funktionierendes Netzwerk. "Momentan ist das Interesse an dem Markt besonders groß", sagt Annette Moritz, die bei der WTSH in Kiel für Russland zuständig ist.

Gründe gibt es ihrer Einschätzung nach einige. Eine Rolle spielen die geografische Nähe und der WTO-Beitritt des Landes. Aus Gesprächen mit Firmen weiß Moritz aber auch, dass hiesige Unternehmen seit einiger Zeit verstärkt Anfragen aus Russland bekommen. Dabei sind für die Wirtschaft in Schleswig-Holstein laut WTSH auch die Bereiche Medizin und Medizintechnik, Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft sowie die maritime Branche interessant.

Trotzdem machen sich bei einigen Mittelständlern mit Blick auf den russischen Markt Sorgen breit, und das nicht ganz unbegründet. Zwar hat sich die Rechtssicherheit nach Einschätzung von Experten etwas verbessert, aber es ist schon vorgekommen, dass sich beispielsweise von einem Tag auf den anderen die Hygiene-Bestimmungen für die Einfuhr von Lebensmitteln geändert haben - und bestellte Ware nicht mehr so ohne Weiteres geliefert werden konnte. Auch gibt es Geschichten von Unternehmern, die dort eine Niederlassung bauen wollten, aber nur schwer einen Anschluss für Strom bekamen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen