Mit Tempo 120 auf der Autobahn: Busfahrer wollen schneller fahren

Der Markt für Fernbusreisen boomt in Deutschland.
Der Markt für Fernbusreisen boomt in Deutschland.

shz.de von
22. Juli 2015, 19:10 Uhr

Der Markt für Fernbusreisen wächst. Doch auf den Autobahnen sind Reisebusse den Anbietern zu langsam unterwegs. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von Tempo 100 müsse auf 120 erhöht werden, forderte gestern die Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) auf dem Branchentreffen des Internationalen Touristik-Verbandes RDA in Köln. „Ein 30 Jahre altes Tempolimit steht in krassem Widerspruch zu der Dynamik, die der Busverkehr mittlerweile entfaltet“, sagte der gbk-Vorsitzende Hermann Meyering.

Wenn ein LKW-Konvoi „über die rechte Autobahnspur kriecht“, müssten Busfahrer die Möglichkeit haben, auf 120 Stundenkilometer zu beschleunigen, hieß es. So sei sichergestellt, dass Fahrpläne eingehalten und die Attraktivität von Reisebussen steige.

Das dürfe allerdings nicht zu Lasten anderer Verkehrsteilnehmer geschehen, warnt der ADAC. „Wir haben mit 80 und 100 Stundenkilometern bereits zwei Obergrenzen auf Autobahnen. Wenn wir eine dritte einführen, droht ein Elefantenrennen auf drei Spuren“, sagt Ulf Evert, Sprecher vom ADAC Schleswig-Holstein mit Blick auf den Ausbau der A7. Hinzu komme, dass die Aufprallenergie bei 120 Stundenkilometern um das 1,44-fache höher sei als bei Tempo 100. „Wir wissen bisher nicht, ob die Fahrzeuge für Überholmanöver bei diesen Geschwindigkeiten ausgelegt sind“, so der ADAC-Sprecher. Der Verband sei deshalb sehr skeptisch.

Zuversichtlicher sind hingegen die Busunternehmer im Norden. „Wir begrüßen den Vorstoß sehr. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das auf die Agenda kommt“, sagt Joachim Schack, Geschäftsführer vom Omnibus Verband Nord (OVN) in Kiel. Auch bei Fernfahrten hätten Busreisende bei Verspätungen ein Anrecht auf Erstattung des Fahrpreises. „Wenn Busse im Stau stehen, sollten die Fahrer die Möglichkeit haben, Verspätungen aufzuholen.“ Er sieht ein Plus an Attraktivität, weil Ziele schneller erreicht werden könnten.

Der Markt für Fernreisen mit dem Bus wächst seit der Liberalisierung 2013, steht allerdings wegen vieler Anbieter unter großem Wettbewerbsdruck. Knapp 20 Millionen Passagiere sollen laut dem Forschungs- und Beratungsinstitut IGES 2014 das Angebot genutzt haben – Tendenz steigend. Das Netz wird deshalb auch im Norden weiter ausgebaut. Erst jüngst hat der Fernbus-Anbieter MeinFernbus/Flixbus Schleswig und Rendsburg in sein Streckennetz für Fahrten über Kaltenkirchen nach Hamburg und Berlin aufgenommen. Das Berliner Unternehmen sieht im Übrigen keinen Anlass für eine Erhöhung des Tempolimits. Alle Fahrpläne seien auf die aktuelle Obergrenze ausgelegt. „Dies funktioniert gut und gewährleistet eine hohe Sicherheit im gegenwärtigen Betrieb“, sagt Sprecherin Marika Vetter.

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