Maritimes Cluster Norddeutschland : Mit neuer Technik gegen alte Munition auf dem Meeresgrund

Für den Bau von Offshore-Windparks ist Munition auf dem Meeresgrund gefährlich. Neue Technik soll die Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg aufspüren.

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26. März 2013, 10:16 Uhr

Kiel | Bomben, Minen, Giftgas - auf dem Meeresboden von Nord- und Ostsee liegen noch große Mengen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Und mit ihnen lauert dort eine Gefahr für die Menschen, die Umwelt und zunehmend auch für die Wirtschaft. Insbesondere für die Errichter und Betreiber von Meereswindparks. Das Maritime Cluster Norddeutschland will nun das Aufspüren und Bergen der gefährlichen Altlasten mit neuer Technik vorantreiben. Dazu soll bis zum Sommer ein neues Projekt auf den Weg gebracht werden. Das Ziel ist, dass Unternehmen, Wissenschaftler und Politiker gemeinsam Lösungen entwickeln.

"Bis auf Ausnahmesituationen hat sich bislang niemand bereit erklärt, zu prüfen, ob dort wirklich das liegt, was in den Archiven dokumentiert wird. Und wenn es da liegt, in welchem Zustand es ist", sagt Heino Schadwald, der Leiter der schleswig-holsteinischen Geschäftsstelle des Maritimen Clusters Norddeutschland.

Sonartechnik reicht nicht aus

Die Strategie sei im Grunde immer gewesen, dass sich die Munition von alleine abbaue. Der Bau von Meereswindparks könnte dadurch jetzt jedoch erheblich behindert werden. Nicht nur wegen der einzelnen Windkraftanlagen, deren Fundamente tief im Meeresboden verankert werden müssen, sondern auch wegen der Seekabel. Davon sollen laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie bis zum Jahr 2030 3880 Kilometer verlegt werden.

Um diese aber sicher zu verlegen, müsste man wissen, ob auf und im Meeresboden Gefahren schlummern. Und gegebenenfalls, was für welche das sind. Mit der bisherigen Sonar-Technik lässt sich laut Schadwald aber in der Regel nur herausfinden, dass auf dem Meeresboden etwas liegt - nicht aber, ob es ein Ölfass oder eine Bombe ist. Und wenn es eine ist, in welchem Zustand sie ist. Dazu müssten Taucher runtergeschickt werden. Und das ist nicht nur gefährlich, es kostet auch. Stellt sich dann heraus, dass die Munition entschärft werden muss, so ist die einfachste aber eben nicht die umweltverträglichste Methode laut Schadwald die Sprengung.

Alternative Bergungstechniken

Das Ziel des Maritimen Clusters Norddeutschland ist es nun, die Technik so zu erweitern, dass die Messergebnisse präziser werden. "Wir haben genügend Firmen, die im Bereich Meeressensortechnik hervorragend sind", sagt Schadwald. Weiter soll es in dem Projekt darum gehen, Unterwasserfahrzeuge weiterzuentwickeln, um "qualifizierte Aussagen über die Munition machen zu können". Drittens sollen alternative Bergungsmöglichkeiten entwickelt werden. "Wir wollen möglichst praxisorientiert vorgehen, müssen an bestimmten Stellen aber auch noch forschen", sagt Schadwald.

Hintergrund: Im Februar erst hatte eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Federführung Schleswig-Holsteins einen ersten Jahresbericht über Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg in Nord- und Ostsee herausgegeben. Die Daten stützen sich vor allem auf Recherchen in Archiven, aber auch auf neuen Messungen. Danach sind die Munitionslasten in Nord- und Ostsee bislang größer und gefährlich als gedacht.

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