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Arbeitsmarkt Schleswig-Holstein : Mit interaktiver Karte: Wenige Januar-Arbeitslose, „horrender Stellenzuwachs“

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Mehr Arbeitslose im Winter - das ist normal. In SH sank die Zahl aber auf den niedrigsten Januarwert seit 23 Jahren.

Kiel/Hamburg | In Hamburg und Schleswig-Holstein sind die Arbeitslosenzahlen im Januar saisonbedingt gestiegen - allerdings fiel in SH dieser Anstieg deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Dezember um 7900 auf 105.000. Im Vergleich zum Januar 2015 sank die Zahl der Menschen ohne festen Job um 1400 und damit auf den niedrigsten Januarwert seit 23 Jahren.

shz.de zeigt die Arbeitslosenzahlen der Kreise und kreisfreien Städte in Schleswig-Holstein im Januar 2016 auf einer interaktiven Karte:

„Wir sind richtig gut in das neue Jahr gestartet“, sagte die Chefin der Regionaldirektion, Margit Haupt-Koopmann. Nicht nur der milde Winter, auch die positive Grundverfassung des schleswig-holsteinischen Arbeitsmarktes sei für den geringeren Anstieg verantwortlich. Es gebe weniger Zugänge in die Arbeitslosigkeit, sagte Haupt-Koopmann. „Das ist etwas sehr, sehr Positives.“ Man könne feststellen, dass die Arbeitgeber ihre Fachkräfte auch in schwachen Auftragsphasen eher halten, weil sie Sorge haben, keinen entsprechenden Ersatz zu bekommen oder nur für hohe Kosten.

Darüber hinaus gebe es einen „horrenden Stellenzugang“. So seien im Januar insgesamt 5900 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet worden - 1400 (32 Prozent) mehr als im Januar 2015. „Wir sehen natürlich, dass wir auch da einen ,Flüchtlingseffekt‘ haben“, sagte Haupt-Koopmann. So gebe es etwa sehr viele Stellenzugänge im Bereich Schutz und Sicherheit sowie im Öffentlichen Dienst. Aber auch der Handel und die Gesundheitswirtschaft suchten nach Personal.

Insgesamt dürfte 2016 die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2015 insbesondere wegen der auf den Arbeitsmarkt drängenden Flüchtlinge zunehmen - um 2,5 Prozent auf etwa 101.000, prognostizierte die Arbeitsagentur Anfang des Jahres. Im Januar waren insgesamt 15.722 Ausländer arbeitslos gemeldet - rund 2600 mehr als im Januar des Vorjahres. Drei Viertel des Anstiegs lässt sich laut Haupt-Koopmann auf die gestiegenen Flüchtlingszahlen zurückführen.

„Die Partizipation von Flüchtlingen mit gesicherter Bleiberechtsperspektive wird 2016 eine der Herausforderungen des schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkts darstellen“, sagte Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD). Die Arbeitslosenquote bei Ausländern betrage gegenwärtig 21,7 Prozent. Meyer wies darauf hin, dass mit Hilfe der Flüchtlinge die Auswirkung des demografischen Wandels und der damit verbundene Fachkräftemangel abgebremst werden könnte.

Gleichzeitig betonte der Minister, durch die Integration der Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt dürften die Bemühungen um Langzeitarbeitslose und ältere Fachkräfte nicht nachlassen. Deren Teilhabe an der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes falle eher gering aus. Meyer sagte, die Landesregierung intensiviere daher im Rahmen des Landesprogramms Arbeit mit der Förderung von weiteren elf Modellprojekten die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt.

Die Arbeitslosenquote liegt bei 7,0 Prozent, nach 7,1 Prozent im Januar 2015. Unter den Kreisen hatte Dithmarschen im Januar mit 8,5 Prozent die höchste Arbeitslosenquote und Stormarn mit 3,9 Prozent die niedrigste. Bei den kreisfreien Städten stand Kiel mit 10,5 Prozent am schlechtesten da und Flensburg mit 9,6 Prozent am besten.

Arbeitslosenzahlen in Hamburg

Nach dem Jahreswechsel ist auch die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg gestiegen. Sie legte im Januar im Vergleich zum Dezember 2015 um 5,6 Prozent auf 74.400 Menschen zu, wie die Agentur für Arbeit am Dienstag mitteilte. Die Agentur bezeichnete den Anstieg als moderat, da er in den Vorjahren nach den Jahreswechseln deutlich höher ausgefallen sei. Begründet wurde der Zuwachs vor allem mit zum Jahresende 2015 ausgelaufenen Arbeitsverträgen. Rund 75.000 Menschen ab dem 25. Lebensjahr dürften nach Einschätzung der Arbeitsagentur in Hamburg befristet beschäftigt sein.

Die aktuelle Arbeitslosenzahl ging verglichen mit dem Vorjahresmonat um 1,8 Prozent zurück. Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt den Angaben zufolge bei 7,5 Prozent und folglich um 0,4 Prozentpunkte höher als im Vormonat. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 7,7 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg bis November 2015 um 2,8 Prozent auf 933.300.

Für Arbeitssuchende sieht die Agentur weiterhin gute Chancen. 3700 freie Stellen seien im Januar gemeldet worden, insgesamt stünden 15.000 zur Auswahl. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Konsumnachfrage seien stabil, teilte die Arbeitsagentur mit. „Dies sorgt für sichere Beschäftigung und kontinuierlich hohe Arbeitskräftenachfrage.“ Der Chef der Agentur, Sönke Fock, erwartet bis zum Sommer einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf rund 71.500.

 

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erstellt am 02.Feb.2016 | 15:14 Uhr

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