Steigende Nachfrage : Mit Elektro-Rad auf der Überholspur

Sind längst zum Trendprodukt geworden: Fahrräder, die von Elektromotoren unterstützt werden.  Foto: DPA
Sind längst zum Trendprodukt geworden: Fahrräder, die von Elektromotoren unterstützt werden. Foto: DPA

Tourismus und Fahrradindustrie profitieren von steigender Nachfrage an Elektrofahrrädern. Laut Zweirad-Industrie-Verband wurden 2010 bereits 200.000 Stück verkauft.

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19. April 2011, 10:53 Uhr

Büchen/Kiel | Niki Nitschke dreht gern mal eine Runde damit. Einmal ist er auf Sylt unterwegs gewesen, von Westerland nach List gefahren. Bei Gegenwind. Und ohne Mühe hat er, selbst auf einem Damenrad sitzend, einen Rennradfahrer überholt. Staunende Blicke sind da garantiert. Aber mit so genannten Pedelecs - also Fahrrädern, die von Elektromotoren unterstützt werden - fällt das Treten in die Pedale deutlich leichter, weiß Nitschke. "Bis vor zwei Jahren wusste kaum einer, was ein Elektrorad ist. Heute ist es ein Trendprodukt für Alt und Jung", sagt der Innendienst-Chef der in Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) ansässigen Firma Wondervelo.
Die Wondervelo GmbH wurde vor etwas mehr als zwei Jahren von Ralf Glaubitt gegründet. Der hatte damals bereits eine andere Firma und dadurch viele Geschäftskontakte nach Asien. Und in Asien hätten damals schon viele Menschen Elektroräder gehabt, so Nitschke. So entstand die Idee, Pedelecs auch in Schleswig-Holstein zu produzieren. Wondervelo konstruiert Räder, die für den europäischen und amerikanischen Markt geeignet sind. Die Einzelteile kommen aus aller Welt, montiert wird in der Stadt am Elbe-Lübeck-Kanal.
Ganze Regionen im Norden setzen schon auf Pedelecs
Beim Vertrieb geht das Unternehmen einen eigenen Weg - und der geht bisher nicht über den normalen Handel. Vielmehr sollen Kommunen, Hotels, Campingplatzbesitzer und Tourismusorganisationen als Kunden gewonnen werden. So bringt Wondervelo in diesem Jahr spezielle Regionen-Serien auf den Markt: Ein wasserblaues Hollandrad für Mecklenburg-Vorpommerns Ostseeküste, ein leuchtend lilafarbenes für die Lüneburger Heide (Niedersachsen) und ein gras-grünes Westfalenrad. "Wir erhoffen uns viel von den Partnern vor Ort, sagt Nitschke. Aktuell arbeitet Wondervelo auch an einem Regionenrad für den Kreis Herzogtum Lauenburg. Die Büchener Firma verleiht und verkauft Pedelecs.
Und die Nachfrage ist da. Elektrofahrräder sind längst zum Trendprodukt geworden. Schlank, sportlich und modisch kommt die neue Generation der Pedelecs daher. Und daher begeistert sie inzwischen nicht mehr nur die Generation 50plus, sondern auch immer mehr jüngere Menschen. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) spricht von einer rasanten Entwicklung der Verkaufszahlen. So wurden nach Verbandsinformationen im Jahr 2007 etwa 70.000 E-Bikes in Deutschland verkauft, 2009 bereits 150.000 und 2010 etwa 200.000 Stück. "Mittelfristig kann der Anteil der E-Bikes am Gesamtfahrradmarkt in Deutschland zwischen 10 und 15 Prozent liegen, dies entspricht einer Stückzahl von 400.000 bis 600.000 Fahrzeugen", so Siegfried Neuberger Geschäftsführer des ZIV.
80 bis 100 Kilometer reicht ein Akku
In Discountern werden Elektroräder inzwischen bereits für etwa 700 Euro angeboten, es gibt aber ebenso welche, die 5000 Euro kosten, so Nitschke. Eine Akkuladung reicht nach Informationen von Hersteller Wondervelo für 80 bis 100 Kilometer motorunterstütztes Radeln.
Und nicht nur die Regionen-Serien von Wondervelo zeigen, dass auch Touristiker längst auf den Trend reagieren. Nach einer aktuellen Analyse des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) können sich 35 Prozent der deutschen Radtouristen vorstellen, künftig auf ein Elektrorad umzusteigen. "Das ist ein Thema für das Urlaubsland Schleswig-Holstein und dementsprechend haben wir zusammen mit den Regionen und Dienstleistern Angebote geschaffen, um Radurlaubern entsprechenden Service anzubieten", sagt Sabine Natebus, Sprecherin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash). So können in der Eider-Treene-Sorge-Region und der Region "Grünes Binnenland" bereits Elektroräder ausgeliehen werden - und auch ein flächendeckendes Netz an Ladestationen ist vorhanden. Das Gleiche gilt für den Wikinger-Friesen-Weg. In Nordfriesland wird ein entsprechendes Angebot gerade aufgebaut. In anderen Landesteilen gibt es bereits einzelne Verleiher. Die Kosten pro Rad und Tag liegen nach Informationen der Tash zwischen 15 und 25 Euro.
(tnn, shz)

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