SHFV und VDV : Mindestlohn verunsichert Amateursportler in SH

Der Mindestlohn sorgt für Verunsicherung bei Fußballern in SH.
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Der Mindestlohn sorgt für Verunsicherung bei Fußballern in SH.

Der SHFV-Geschäftsführer sieht erheblichen Gesprächsbedarf. Die Vereine fühlen sich von der Politik allein gelassen.

shz.de von
10. Januar 2015, 15:27 Uhr

Kiel | Im Amateursport herrscht Unsicherheit. Der bundesweit geltende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde ist mit Anpfiff am 1. Januar 2015 im Spiel. Vereine und Verbände sind sich noch nicht klar darüber, mit welcher Taktik sie einer drohenden Kostenexplosion durch mögliche Forderungen von Spielern entgegentreten sollen.

Im Fußball beginnt die Problemzone ab der vierten Liga. „Dort sind Spieler für ihren Club bis zu 100 Stunden pro Monat im Einsatz, bekommen aber nur 250 Euro. Nach dem neuen Gesetz dürften sie für 250 Euro aber nur 29 Stunden arbeiten“, sagte Geschäftsführer Ulf Baranowsky von der Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV) kürzlich dem Sport-Informations-Dienst. Einen deutlich erhöhten Nachfragebedarf seitens der Vereine hat auch Jörn Felchner, Geschäftsführer und Justiziar des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV), festgestellt.

Gedanken macht man sich unter anderem auch beim Regionalligisten VfR Neumünster, bei dem 24 Spieler unter Vertrag sind. 22 davon erhalten laut Schatzmeister Olaf Schließeit zumindest so viel Geld, „dass wir in Sachen Mindestlohn nicht extra das Rechnen anfangen müssen“. Er schätzt den durchschnittlichen Zeitaufwand für einen Spieler, der alle Trainingseinheiten und Spiele absolviert, auf gut 40 Stunden im Monat. Dabei rechnet er aber die zum Teil weiten Fahrten zu Auswärtsspielen nicht ein. Dass diese nicht als Arbeitszeit zu werten seien, diese Ansicht wird unter anderem auf der Internetseite der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft vertreten. Dort heißt es, dass für die Berechnung des regelmäßigen monatlichen Zeitaufwandes für bezahlte Sportlerinnen und Sportler „jeweils die regulären Spieldauern vom Anpfiff bis zum Abpfiff (inkl. der zum Spiel gehörenden Pausen und Unterbrechungen) sowie die regulären reinen Trainingsdauern zu addieren“ sind. Laut VDV beschränkt sich die Arbeitszeit eines Fußballers aber eben nicht nur auf Trainings- und Spielzeiten. „Unter der Mehrheit der Juristen ist es unstrittig, dass beispielsweise Umziehzeiten, Besprechungen oder Fahrten zum Auswärtsspiel als Arbeitszeit zu werten sind“, sagt Baranowsky.

Im Bereich des SHFV sind laut Geschäftsführer Felchner derzeit 141 Kicker als Vertragsspieler registriert, haben also bei dem Club, für den sie auflaufen, einen Kontrakt unterzeichnet. In diesem Vertrag ist die monatliche Garantiesumme in Höhe von 250 Euro festgelegt. „Die meisten Vertragsspieler finden sich bei den Regional- und Schleswig-Holstein-Ligisten, aber es gibt auch vereinzelt Vertragsspieler bis in die Kreisklasse C hinein“, erklärt Felchner. Baranowsky betont: „Wer solch einen Vertrag unterschreibt und beim Verband registriert ist, gilt nach Fifa-Recht als Profi und hat Anspruch auf den Mindestlohn.“ Felchner widerspricht: „Diese Aussage ist in ihrer Ausschließlichkeit nicht korrekt. Vielmehr wird gerade bei Vertragsspielern eine Einzelfallentscheidung notwendig sein. Sie sind nicht unter dem klassischen Arbeitnehmerbegriff zu subsumieren, sofern ihre ehrenamtliche Betätigung und nicht die finanzielle Gegenleistung für selbige im Mittelpunkt steht. Eine allgemeingültige Aussage ist in diesem Bereich bis dato nicht möglich.“ Damit unterstützt der SHFV-Geschäftsführer eine Sichtweise, die zuletzt auch Reinhard Grindel, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem Interview vertrat. Doch selbst beim DFB herrscht keine absolute Klarheit: „Der DFB kann den Vereinen keine verbindliche Rechtsauskunft erteilen. Es kommt auf die besondere Lage des Einzelfalls an“, so Grindel weiter.
 

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