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Schattenwirtschaft : Mindestlohn sorgt für mehr Schwarzarbeit in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Besonders bei Gaststätten und im Baugewerbe wird der Fiskus übergangen. Unternehmensverband und Gewerkschaft fordern stärkere Kontrollen.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2015 | 19:40 Uhr

Kiel | Der seit 1. Januar geltende Mindestlohn kurbelt die Schattenwirtschaft im Norden an. Einer Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen zufolge wird die Schwarzarbeit in Deutschland dieses Jahr um 1,5 Milliarden Euro wachsen – es ist der erste Anstieg seit 2009. „Die aktuelle Entwicklung ist auch durch den Mindestlohn bedingt“, erklärte IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Vor allem in den für Schleswig-Holstein wichtigen Branchen wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Bauwirtschaft wird häufig am Fiskus vorbei verdient.

„Unsere Befürchtungen, die wir vor Einführung des Mindestlohns hatten, bestätigen sich zum Teil“, so Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Nord (UVNord). Er plädiert für stärkere Kontrollen, bei denen es im Norden Nachholbedarf gibt. „Der Zoll ist zu schwach besetzt“, mahnt Finn Petersen von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) Schleswig-Holstein. Die zuletzt umstrittenen Aufzeichnungspflichten beim Mindestlohn verteidigte Petersen. „Wir müssen diese Dokumentationspflicht unbedingt beibehalten, weil wir sonst das Problem Schwarzarbeit nie in den Griff bekommen.“

Die Wissenschaft gibt ihm dabei recht. Dominik Groll, Arbeitsmarkt-Experte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), glaubt, dass die Dokumentationspflicht tatsächlich helfen könne. „Doch dafür bräuchte es den Mindestlohn nicht.“ Dieser führe sogar zu „gegenläufigen Effekten“. Während die Dokumentationspflicht helfe, Schattenwirtschaft einzudämmen, würde der Mindestlohn sie befeuern.

Der DGB-Nord-Vorsitzende Uwe Polkaehn bezweifelt indes, dass es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Schwarzarbeit und höheren Löhnen gibt. Stattdessen nannte Polkaehn es „perfide“, wenn Arbeitnehmern Hungerlöhne und Schwarzarbeit angeboten würden. „Naivität und der Wunsch nach schnellem Geld“, gab NGG-Vertreter Petersen als Gründe an, dass sich Arbeitnehmer letztlich immer wieder auf diese Praktiken einließen.
 

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