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Fraunhofer Institut Itzehoe : Mikro-Technik aus dem Norden

vom

Schleswig-Holstein als höchstmoderner Technologie-Standort? Unter anderem im Itzehoe ist das die Wirklichkeit. Das dortige Fraunhofer Institut baut deswegen für zig Millionen an.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 10:12 Uhr

Itzehoe | Die Mikrosystemtechnik (MST) und die Leistungselektronik boomen. Und das Fraunhofer Institut ISIT profitiert davon. Die Einrichtung in Itzehoe gilt als eines der europaweit modernsten Forschungsinstitute in diesem Bereich. Der 2500 Quadratmeter große Reinraum reicht für den steigenden Bedarf dabei längst nicht mehr aus. Ein 36,6 Millionen Euro teurer Anbau mit einem 1000 Quadratmeter großen Reinraum soll die notwendigen Kapazitäten schaffen, um die Nachfrage zu befriedigen. Gefördert wird das mehrstöckige Gebäude vom Land und der EU in Höhe von 27,45 Millionen Euro - den Rest trägt die Fraunhofer-Gesellschaft.
Anfang kommenden Jahres sollen die Arbeiten an dem Gebäude, in dem 1200 Tonnen Stahl und 7500 Kubikmeter Beton stecken, abgeschlossen sein und dann eine Fassade haben, die an einen Wafer erinnert. Die zirka ein Millimeter dünnen Silizium-Scheiben, auf denen sich elektronische oder mikromechanische Bauelemente befinden, sind unverzichtbar für Airbags, Navigationsgeräte, Smartphones oder Spielekonsolen. "Der Markt ist groß und wächst sehr dynamisch", so ISIT-Leiter Professor Dr. Wolfgang Benecke. Ein Ende der möglichen Anwendungen sei noch lange nicht in Sicht.

600 Arbeitsplätze am Standort Itzehoe


Die Speichertechnologie im Zusammenhang mit der Energiewende ist für Benecke ein zentrales Thema. Gemeinsam mit anderen Fraunhofer-Instituten beteiligt sich das ISIT daher an dem Projekt "Systemforschung Elektromobilität", das den Wandel zu einer nachhaltigen "All-electric Economy" wirkungsvoll unterstützen soll. Die Besonderheit des Fraunhofer-Ansatzes ist, alle Wertschöpfungsstufen der Elektromobilität zu betrachten und aufeinander abgestimmt zu erforschen - ausgehend von der Energieerzeugung, über den Transport und die Verteilung der Energie durch die Stromnetze, die Schnittstellen zwischen Stromnetz und Fahrzeug, die Energiespeicherung bis hin zu neuen Fahrzeugkonzepten. "Es ist ein hochkomplexes Thema", so Benecke. Dennoch eine Chance für Deutschland. Der ISIT-Leiter kann sich vorstellen, dass sich die Produktion von Batterien für Elektroautos in Deutschland ansiedelt. Die Fähigkeit, sich schnell an einen spezifischen Bedarf anzupassen, biete auch die Möglichkeit, im Wettbewerb mit Asien wieder Markt zu gewinnen.
Auch bei Windkraftanlagen wird immer mehr Sensorik und Steuerungstechnik eingesetzt, um die Anlagen intelligenter und effizienter zu machen. In der Photovoltaik sei das ISIT ebenfalls gut positioniert, so Benecke. Bisher profitiert Schleswig-Holstein von dem zunehmenden Einsatz der Mikrosystemtechnik nur begrenzt. Das ISIT schaut sich eher weltweit um - die Projekte im Land seien überschaubar, so Benecke. Projekte in Schleswig-Holstein sind anteilig mit unter zehn Prozent verschwindend gering. Aber: "Der Standort in Itzehoe bietet knapp 600 Arbeitsplätze, die mit dem Neubau noch ansteigen werden", so Benecke. Hinzu kommen die Ausgründungen rund um das ISIT, das alleine 160 Mitarbeiter beschäftigt und über 200 Millionen Euro industrielle Folgeinvestitionen seit dem Start des ISIT im Jahr 1995 getätigt hat.
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