Image von „Made in Germany“ in Gefahr : Metallindustrie im Norden an Kapazitätsgrenze – Fachkräfte fehlen

Fachkräfte arbeiten in einer Gießerei in Waren (Mecklenburg).
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Fachkräfte arbeiten in einer Gießerei in Waren (Mecklenburg-Vorpommern).

Bislang klagten die Arbeitgeber nur über Fachkräftemangel, nun sprechen sie von einer Fachkräftekrise.

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17. Mai 2018, 12:53 Uhr

Hamburg | Die Metall- und Elektroindustrie in Norddeutschland arbeitet fast an ihrer Kapazitätsgrenze und sucht händeringend nach Mitarbeitern. Die Auslastung der Firmen habe mit 89,9 Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht, teilte der Arbeitgeberverband Nordmetall in Zusammenarbeit mit weiteren Verbänden am Donnerstag in Hamburg mit. Gleichzeitig beurteilten 82 Prozent der Unternehmen ihren Auftragsbestand als relativ hoch oder ausreichend, so viele wie zuletzt 2012. Rund 87 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend.

Dementsprechend wollten 39 Prozent der Arbeitgeber ihre Mitarbeiterzahl erhöhen, wenn sie qualifiziertes Personal finden. Das aber sei schwierig, denn der Arbeitsmarkt sei leer gefegt. „Wenn die Bundesregierung nicht umgehend Maßnahmen für mehr Fachkräfte einleitet, werden unsere Unternehmen immer öfter Aufträge aus Personalmangel ablehnen müssen“, sagte Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch. Das würde mittel- und langfristig der sehr guten Konjunktur schaden und das verlässliche Image der Marke „Made in Germany“ schwer eintrüben.

Im einzelnen fordern die Arbeitgeber eine klug gesteuerte Einwanderung von Fachkräften, die schnellere und unbürokratische Qualifizierung von bereits zugewanderten Arbeitskräften sowie Maßnahmen zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit. „Außerdem muss die Politik endlich damit aufhören, die Beweglichkeit der Firmen im Personaleinsatz immer weiter einzuschränken“, forderte Lambusch. 58 Prozent der Firmen beklagten, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften am Arbeitsmarkt unbefriedigend oder schlecht sei.

Notwendig ist aus Sicht der Arbeitgeber auch eine stärkere Berufsorientierung in den mittleren und höheren Schulklassen, um den ungebrochenen Trend zu Abitur und Studium zugunsten mittlerer Abschlüsse plus Berufsausbildung zu brechen. Hier seien die Kultusminister in den Ländern und ganz besonders die Schulsenatoren in den Stadtstaaten gefragt.

An der Umfrage der Verbände beteiligten sich 147 Unternehmen mit 88.800 Beschäftigen in den fünf Küstenländern. Insgesamt sind in den Verbänden mehr als 600 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie mit mehr als 150.000 Mitarbeitern zusammengeschlossen.

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