Multiresistente Keime : Mehrere Reha-Zentren nehmen keine UKSH-Patienten mehr auf

Aus Angst vor multiresistenten Keimen weigern sich mehrere Reha-Zentren, UKSH-Patienten aufzunehmen. Verdi kritisiert unterdessen die Arbeitsbedingungen in der Klinik.

shz.de von
27. Januar 2015, 13:11 Uhr

Kiel | Wegen der gefährlichen Bakterien auf zwei Intensivstationen im Universitätsklinikum (UKSH) in Kiel nehmen einige Reha-Zentren zurzeit keine Patienten von dort auf. Das sagte Klinikchef Jens Scholz. Er könne darüber nur den Kopf schütteln, meinte Scholz gegenüber dem Radiosender R.SH. Denn alle Patienten, die nicht auf den beiden Intensivstationen lägen, könnten den Keim nicht haben. Scholz forderte die Reha-Zentren auf, wieder Patienten aufzunehmen. Welche Einrichtungen derzeit die Sperre haben, sagte Scholz nicht.

Seit Mitte Dezember ist bei 31 Patienten der multiresistente Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen worden. Zwölf Patienten starben. Bei drei von ihnen könnte der Keim die Todesursache gewesen sein. Bei den anderen neun waren laut Klinik die ursprünglichen Erkrankungen die Todesursachen. Aktuell liegen 16 Patienten, die auch den Keim haben, in den beiden Intensivstationen.

„Zur Eindämmung des Infektionsrisikos werden betroffene Patienten umgehend strikt isoliert“, teilte Kliniksprecher Oliver Grieve vor einigen Tagen mit. Alle Räume und Geräte würden einer ausgiebigen, gründlichen Desinfektion unterzogen. „Bis auf weiteres ist der Campus Kiel von der Aufnahme künstlich beatmeter internistischer Notfallpatienten abgemeldet“, so Grieve.

Die Übertragung des Erregers erfolgt durch Schmier- oder Kontaktinfektionen und auch über die Luft. Die Bakterien können außerhalb des menschlichen Körpers Trockenheit überstehen und lange überleben. „Auch wenn die die Übertragungsfähigkeit von A. baumannii im Krankenhaus als sehr hoch eingeschätzt wird, führt eine Übertragung mit dem Erreger nur relativ selten zu schweren Infektionen“, erklärt der Kliniksprecher. Diese Infektionen würden überwiegend auf Intensivstationen, bei schwerkranken Patienten vorkommen. Vorherrschende Krankheitsbilder sind die nosokomiale Pneumonie, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen und Sepsis.

Die Gewerktschaft Verdi warnt einmal mehr vor einem Personalabbau am UKSH. Verdi bekräftigte ihre Kritik über zu wenig Pflege- und Reinigungspersonal im Uniklinikum in Kiel. „Seit 2010 wird das Personal im Pflegebereich sukzessive abgebaut“, sagte Verdi-Gesundheitsexperte Steffen Kühhirt am Dienstag in Kiel. Rund 60 Prozent von 1864 Gefährdungsanzeigen von UKSH-Mitarbeitern im Jahr 2013 sei mit Arbeitsüberlastung begründet. „Haarsträubend“ sei die Situation im privatisierten Bereich Service. Die Zahl der Reinigungskräfte reiche schlichtweg nicht aus, um wie vorgeschrieben die Räume reinigen und desinfizieren zu können. Scholz hatte am Vortag die Kritik von Verdi zurückgewiesen und erklärt, der Personalschlüssel am UKSH sei besser als im Bundesdurchschnitt.

Das UKSH ist die größte Klinik in Schleswig-Holstein. Mehr als 12.440 Mitarbeiter sorgen in 80 Kliniken und Instituten für jährlich 400.000 Patienten

(mit dpa)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen