Ausbildungsstart 2018 : Mehr offene Lehrstellen als Bewerber in SH

Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Der Somalier Ugaas Ziad ist Praktikant bei der Firma 'Kühner Wärmetauscher'.
Immer mehr Flüchtlinge finden Ausbildungsstellen: Im Vorjahr waren es mehr als 320, dieses Jahr sollen es deutlich mehr werden.

Vor allem gesucht: Kaufleute im Einzelhandel, Köche sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker.

Margret Kiosz von
13. Juni 2018, 18:40 Uhr

Kiel | „Bloß nicht ohne einen Ausbildungsvertrag in die Sommerferien  starten“ – diesen Appell richteten am Dienstag Margit Haupt-Koopmann, Regional-Chefin der Bundesagentur für Arbeit und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz an angehende Azubis. Angesichts eines rechnerischen Überhangs von 2000 freien Ausbildungsplätzen im Norden könne sie nur empfehlen, „so schnell wie möglich einen Termin für ein Beratungsgespräch zu vereinbaren, die Berufsinformationszentren (BiZ) ‚vor Ort‘ zu besuchen und unsere zahlreichen digitalen Medienangebote zu nutzen“, so Haupt-Koopmann.

Die Mai-Zahlen, nach denen rund 9600 offene Lehrstellen (plus 16 Prozent) knapp 7600 unversorgten Bewerbern gegenüber stehen, würden klar dokumentieren, dass noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bestünden. Freie Stellen gibt es insbesondere für Kaufleute im Einzelhandel, für Verkäufer, Köche sowie im Bereich der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Lebensunterhalt lässt sich auch im Handwerk verdienen

Erfreulich: Die Zahl der Ausbildungsplätze ist um knapp 1000 (sechs Prozent) gestiegen. Buchholz warb mit Blick auf die fast 30-prozentige Quote an Studienabbrechern für den alternativen Karriereweg über eine Berufsausbildung. Die Chancen, seinen Lebensunterhalt zu verdienen seien im Handwerk oft größer als mit einem Soziologiestudium. „Weil immer mehr Betriebe händeringend einen Nachfolger suchen, kann der Weg vom Gesellen über den Meister bis zum Unternehmensgründer oder -nachfolger passender und lukrativer sein als ein Studium.“ Zugleich warnte Buchholz erneut davor, schulische Anforderungen abzusenken – nur weil aktuell die Matheprüfungen schlecht ausfallen. Ein Mindestmaß an mathematischem Handwerkszeug sei für den größten Teil der Ausbildungsberufe eine wichtige Eintrittskarte.

Das trug Buchholz prompt Kritik der Gewerkschaften ein. Er nörgele an den Schülern rum, „schont zugleich aber die Arbeitgeber, die die Jugendlichen nicht hinreichend fördern und Ausbildung mit Ausbeutung gleichsetzen“, erklärte Uwe Polkaehn. Begeistert wird der DGB-Boss auch nicht über den Minister-Hinweis sein, dass man angesichts von 7900 arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren im Norden darüber nachdenken solle, bei einigen Ausbildungsgängen Zusatzqualifikationen zuzulassen. Etwa im Heizungsbau: „Jemanden, der eine Therme an die Wand dübelt und Rohre krümmt, brauchen wir auch künftig, aber nicht jeder muss ein Smart-Home-Netz zur Wärmeregulierung programmieren können“, gibt Buchholz zu Bedenken.

 Ermutigend ist laut Arbeitsagentur die Entwicklung bei jungen Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt. Ende September 2017 haben 319 eine Ausbildung begonnen. In diesem Jahr sei mit einer noch höheren Zahl zu rechnen. Etwa 300 seien zudem in Langzeitpraktika, die meist in Lehrstellen mündeten. „Aktuell können wir feststellen, dass sich zahlreiche Geflüchtete auf Ausbildungsberufe in den Bereichen Verkauf, Maschinen-, Fahrzeug- und Elektrotechnik sowie auf medizinische und nichtmedizinische Gesundheitsberufe konzentrieren.“

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