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Bioprodukte in SH : Mehr Öko auf norddeutschen Feldern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Angebot regionaler Bioprodukte steigt dank Landesförderung – doch die Nachfrage wächst schneller.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 18:08 Uhr

Bio ist in. In der Gruppe der unter 30-jährigen Verbraucher ist der Anteil derer, die häufig Bioprodukte kaufen, im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozentpunkte gestiegen. Auch in Schleswig-Holstein nimmt die Zahl der Geschäfte, die Produkte aus ökologischen Landbau anbieten, zu. Selbst die Discounter reagieren auf die Kundenwünsche. Allerdings hält das Angebot der rund 400 schleswig-holsteinischen Ökobauen mit dieser Boom nicht Schritt. Bioprodukte müssen vermehrt importiert werden, da die Nachfrage die regionale Produktion bei Weitem übersteigt.

Dabei tut sich durchaus was in de Branche. Im Jahr 2013 wurden zwischen Nord- und Ostsee 40.157 Hektar ökologisch bewirtschaftet. 2012 waren es nur 35.172. „Die Bemühungen, den Ökolandbau zu stärken, tragen Früchte“, erklärte gestern Umweltminister Robert Habeck. Vor dem Regierungswechsel sei der Ökolandbau „wie ein Stiefkind behandelt worden“. Rot-Grün hat den Ökobauern dann finanzielle Anreize gegeben. In den ersten beiden Jahren der Betriebsumstellung wurde die Prämie von 262 Euro je Hektar auf 280 Euro angehoben, und die dauerhaften Fördersätze stiegen von 137 Euro je Hektar Acker und Grünland auf 180 Euro, damit die Bauern bei der Stange bleiben. Die Rückkehr zum konventionellen Anbau, wie er in den Jahren zuvor stattfand, konnte damit gestoppt werden. In den fünf Jahren vor dem Regierungswechsel hatten sich laut Statistischem Landesamt neun Prozent der Bauern quasi vom Acker gemacht und die ökologische Bewirtschaftung ihres Betriebes eingestellt. Die Prämien wurden deshalb 2013 auf den bundesweiten Standard erhöht. „Seitdem wächst die Fläche“, so Habeck. Das sei angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen besonders erfreulich: „Die sehr guten Preise für konventionelle Marktfrüchte, die Konkurrenz zu Biomasseanbau und die dadurch ausgelösten hohen Pachtpreise machen es den Ökobauern nicht gerade leicht“, räumte der Minister ein.

Das schlägt sich auch in bundesdeutschen Vergleichszahlen nieder. Schleswig-Holstein lag 2012 mit nur knapp vier Prozent Ökoanteil an der landwirtschaftlichen Fläche auf dem letzten Platz. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei über sechs Prozent. Habeck geht davon aus, dass die finanzielle Flächenförderung langfristig notwendig ist, weil die ökologische Produktion unter ungleich schwierigeren Bedingungen stattfindet, aber – wichtige – Gemeinwohlleistungen erbringe: „Sie belastet die Gewässer weniger mit Nitrat und nutzt keine Pestizide.“ Inzwischen können Bio-Betriebe auch bei Investitionen wie Stallbauten oder zur Verarbeitung und Vermarktung, bei Bildung und Beratung und beim Wissenstransfer viele Fördermöglichkeiten erhalten.

Klar ist: Der zunehmende Import von Ökolebensmitteln aus anderen Regionen entspricht nicht den Erwartungen der Verbraucher, die auf dem hiesigen Markt mit vorwiegend regionalen Ökoprodukten versorgt werden wollen. Ändern lässt sich das nur langfristig. Denn anders als etwa in Polen oder Lettland hat Deutschland den Umfang seiner ökologisch bewirtschafteten Flächen nur beschränkt erweitert. Nachdem in den Jahren 2010 und 2011 sogar ein Flächenrückgang zu verzeichnen war, gab es 2012 erstmals wieder einen Zuwachs von rund 2000 Hektar. Immerhin!

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