zur Navigation springen

Mit Video : Mehr Markttreffs in SH: Warum „Tante Emma“ wieder modern wird

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wachstum von 34 auf 44: In Schleswig-Holstein soll das Netz der „Markttreffs“ ausgebaut werden. Was dahinter steckt.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 11:53 Uhr

Kiel | Den neuesten Dreh probiert gerade Heidgraben im Kreis Pinneberg aus: Dort stärkt eine Genossenschaft den im letzten September eingeweihten „Markttreff“. Bisher 170 von 2500 Einwohnern haben Anteile gezeichnet. Damit sind sie Mit-Inhaber der modernen Variante von „Tante Emma“: Mit den „Markttreffs“ rettet das ländliche Schleswig-Holstein seit 1999 langsam, aber sicher in immer mehr Dörfern die kommunale Daseinsvorsorge.

„Das Genossenschafts-Modell hat ein identitätsstiftendes Element und stärkt damit die Kundenstruktur“, sagt Dieter Witasik von der „ews group“ in Lübeck. „Deshalb wünschen wir es uns auch an weiteren Standorten.“ Die Firma von der Trave unterhält im Auftrag des Ministeriums für Ländliche Räume in Kiel das landesweite Projektmanagement für die bisher 34 „Markttreffs“. Witasik und seine Kollegen sind damit erster Ansprechpartner und Berater für Gemeinden, die zum Netz der „Markttreffs“ dazustoßen wollen.

Die in diesem Jahr startende neue Förderperiode des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) bietet dazu auch künftig die Möglichkeit. Im Ministerium geht man bis Ende 2016 von zehn zusätzlichen „Markttreffs“ aus – stets auf Initiative der Gemeinde. Das Land bezuschusst aus den Eler-Geldern Um- oder Neubauten für „Markttreffs“ und ihre Ausstattung zu 75 Prozent. 25 Prozent muss die Gemeinde tragen. „Der Betrieb der Läden läuft rein privatwirtschaftlich“, betont die „Markttreff“-Expertin des Ministeriums, Christina Pfeiffer. Teils sind es Kaufleute, die andernorts einen „normalen“ Laden besitzen. Allerdings unterstützen die Gemeinden die Betreiber teilweise, indem sie ihnen bei der Pacht entgegenkommen. Pfeiffer unterstreicht, ein „Markttreff“ erhalte erst grünes Licht, wenn für die Nahversorgung keine reguläre Alternative in zumutbarer Entfernung liege. „Im Zweifel gibt es keinen neuen Markttreff“, schließlich solle dadurch nicht der Wettbewerb verzerrt werden. Die bisherigen 34 Standorte wurden mit 24 Millionen Euro gefördert. Mit dem Geld einher geht die Pflicht, dass die Gemeinde einen „Markttreff“ mindestens zwölf Jahre bestehen lässt.

Mindestens 2500 Produkte des täglichen Bedarfs hat jede der Einrichtungen im Sortiment. Clou des Konzepts ist, dass Einkaufen nicht als einziges Standbein fungiert. Dienstleistungen und Möglichkeiten zur Begegnung sind als weitere Säulen immer mit dabei. Mal ist es ein Kaffeeautomat mit Stehtischen, mal eine ausgewachsene Gastronomie, mal ein Raum für Kurse, mal ein Praxenraum für Arztsprechstunden oder Krankengymnastik. „Die einzige Chance auf dem Dorf ist das Bündeln von Angeboten, weil sie sich einzeln nicht halten können“, sagt Pfeiffer. Vereinte Kräfte helfen auch standortübergreifend: „Es ist schon vorgekommen, dass im Krankheitsfall ein Markttreffler einen anderen an der Kasse vertreten hat.“

Künftig will das Land die stationären „Markttreffs“ stärker mit mobilen Angeboten verknüpfen. Ausgelotet werden soll, ob „rollende Supermärkte“, also Busse mit einem Laden an Bord, als zusätzliche Einnahmequelle für „Markttreff“-Betreiber in Frage kommen. Eine weitere Perspektive für die Zukunft ist ein regelmäßiger Hol- und Bringservice. Das soll vor allem den zahlreicher werdenden betagten Bürgern Besuche im „Markttreff“ erleichtern – und ihn besser auslasten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen