Insolvent zur Insolvenz : Massivhaus und die Millionenpleite

Richtfest mit Bau-Partnern: Finanzvermittler Roland Wolfrum, Massivhaus-Chef Kerkemeier, Massivhaus-Vermittler Richter (v.l.)
Richtfest mit Bau-Partnern: Finanzvermittler Roland Wolfrum, Massivhaus-Chef Kerkemeier, Massivhaus-Vermittler Richter (v.l.)

Partner Massivhaus Nord-Geschäftsführer Kerkemeier war am Konkurs des Massivhaus-Anbieters "idea" beteiligt.

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25. April 2011, 09:45 Uhr

Flensburg | Seine Häuslebauer kämpfen finanziell ums Überleben - aber sie sind nicht allein. Dieses bange Gefühl der Zahlungsunfähigkeit, das kennt Klaus Kerkemeier nämlich ebenfalls nur zu allzu gut. Schließlich war der Geschäftsführer der dubiosen Firma Partner Massivhaus Nord doch selbst das eine oder andere Mal pleite - wenn auch auf höherem Niveau. Erst im Januar diesen Jahres wurde die Familie Kerkemeier mit Restschuldbefreiung aus ihrer Privatinsolvenz entlassen. In seltsamer zeitlicher Übereinstimmung mit Kollege Holger Volkmann, der im Sommer 2004 zahlungsunfähig geworden war, haben sie sechs entbehrungsreiche Jahre überstanden und sind jetzt schuldenfrei.
In Schleswig-Holstein verbinden viele Branchenkenner den Namen Klaus Kerkemeier mit einer handfesten Pleite: Idea-Haus. Der damals nach eigenen Angaben größte Bauträger des Landes mit Firmensitz in Büdelsdorf hatte sich im Spätsommer 2006 noch fix vom Acker gemacht, ehe die Firma am 26. Oktober in Berlin Insolvenzantrag stellte und dann mit einem gewaltigen Rums implodierte. Sie hinterließ Verbindlichkeiten von über 4,2 Millionen Euro, 150 unerledigte Baustellen und entsprechend viele wutschnaubende Häuslebauer und Handwerker.
Der Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma stieß bei seinen Recherchen schnell auf den Namen Klaus Kerkemeier, der sich nicht nur mit Dienstwagen der gehobenen Klasse, sondern auch mit Titeln schmücken durfte. Kerkemeier, der Insolvente, war zwischenzeitlich Inhaber, auch Geschäftsführer bei idea. Später wurde er abberufen, auf der Gehaltsliste weiter als Vertriebsmitarbeiter geführt. Faktisch, davon geht Köhler-Ma aus, dürfte Kerkemeier im Betrieb jedoch weiter eine bestimmende Rolle gespielt haben.
Auch Tochter Steffi taucht in der Unternehmensgeschichte auf - und zwar als Mitgesellschafterin. Steffi Kerkemeier muss mit ihrem Taschengeld sehr sparsam umgegangen sein. Immerhin war die gerade erst 18-Jährige in den turbulenten Monaten des idea-Untergangs der Landesbausparkasse und der Nospa noch für ein Darlehen von 230.000 Euro gut. Mit dem Geld sorgte sie für dafür, dass ihre Eltern nicht nur heute, sondern auch in Zukunft ein hübsches Dach über dem Kopf haben. Im idyllischen Steinfeld an der Schlei erwarb Steffi Kerkemeier am 4. September 2006 für ihre Eltern ein ländliches Anwesen mit reichlich vier Hektar Land - nur sechs Wochen, bevor idea-Haus sich als zahlungsunfähig aus dem Wirtschaftsleben abmeldete.
Volkmanns und Kerkemeiers Privatinsolvenzen wurden übrigens unter der Kennung IN geführt - Hinweis darauf, dass nicht unbedingt nur eine private Überschuldung gegeben ist, sondern möglicherweise auch eine Firmeninsolvenz, aus der heraus ein Schuldner - etwa wegen rechtswidrigen Verhaltens - Durchgriffe auf sein Privatvermögen fürchten muss. Das war - unabhängig vom laufenden Verfahren - einmal der Fall: am 4. August 2009 versuchte ein Gläubiger eine Forderung gegen Kerkemeier durchzusetzen. Im Zuge einer Eidestattlichen Versicherung ließ Schuldner Kerkemeier aber die Hosen runter. Da war nichts zu holen.
Das Leben geht weiter. Während Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma in der idea-Ruine noch mickrige 200 000 Euro Insolvenzmasse zusammenkratzte, sammelte Klaus Kerkemeier schon wieder Bauaufträge. Ab Mitte 2010 begann er die Partner Massivhaus-Gruppe systematisch aufzubauen. Er ist Geschäftsführer der mit minimalem Eigenkapital ausgestatteten Unternehmergesellschaften PMH Immobilien, Bauregie Nord, PMH-EnerTec, der britischen PM Constructions & Housebuilder Limited London, die mit einer weiteren Ltd., der PM Venture capital Limited verbunden scheint.
Die Bauherren Klein und Dolgener hörten häufiger mal auf ihren Baustellen, dass der Chef gerade in London sei, wenn sie nach Kerkemeier fragten. Dort macht er anscheinend wieder glänzende Geschäfte. Seit seinem letzten Besuch auf der Insel steht ein schöner silbergrauer Bolide breitreifig vor der Haustür. Ein neuer Mercedes Geländewagen (M-Klasse, Listenpreis in Deutschland incl. 19 Prozent Mehrwertsteuer ab 53.609,50 Euro ab Werk). Mit britischen Kennzeichen. Das Leben geht weiter.
(ho, shz)

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