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Maritime Wirtschaft warnt vor Folgen der Ukraine-Krise

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experten fordern mehr Geld für die Häfen und kritisieren Einführung neuer Umweltschutzrichtlinien

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2014 | 18:30 Uhr

Die maritime Wirtschaft warnt vor den negativen Auswirkungen des Russland-Embargos. „Wir leben vom Handel, deshalb haben wir ein großes Interesse an der Deeskalation des Konfliktes“, erklärte gestern Frank Schnabel, Chef des Gesamtverbandes schleswig-holsteinischen Häfen in Kiel. Die Handelsbeschränkungen mit Russland treffen die Ostseehäfen massiv (wir berichteten). „Die Auswirkungen liegen im Export von Waren bei etwa zehn Prozent“, schätzte Kiels Seehafenchef Dirk Claus am Rande des 3. Schleswig-Holsteinischen Hafentages. Mehr als 200 Teilnehmer diskutierten im neuen Kreuzfahrtterminal des Kieler Ostuferhafens unter anderem über die Verkehrsinfrastruktur. „Schleswig-Holstein hat sich nach Hamburg und Bremen zum drittgrößten Hafenstandort entwickelt“, sagte Schnabel – hierzulande werden mittlerweile jährlich 50 Millionen Tonnen Ladung umgeschlagen, 15 Millionen Passagiere gehen an oder von Bord.

Der maritime Koordinator der Bundesregierung, Uwe Beckmeyer, wies auf die Notwendigkeit einer funktionierenden Hinterlandanbindung für die Häfen hin. „Die Verkehrsprognosen sagen uns steigende Gütermengen voraus, für die wir uns rüsten müssen.“ Als Beispiel nannte er den Weiterbau der Autobahn 20. Sie sei ein bundesrepublikanisches Projekt mit „Wirkung für den gesamten Küstenraum“. Die positiven Effekte der A 20 auf Mecklenburg-Vorpommern werde es nach dem Bau auch im Westen geben.

Die Notwendigkeit in Transportwege zu investieren, gelte für Wasser- und Landwege gleichermaßen. „Der Neubau der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel ist dabei ein wichtiger Schritt für die weitere Modernisierung des Nord-Ostsee-Kanals. Sein reibungsloser Verkehr muss dauerhaft gesichert werden“, erklärt Beckmeyer. Zum Glück habe der Norden „die Glocke gut und laut geschlagen“, um die Milliarden in Berlin locker zu machen. Das soll künftig noch besser klappen: „Unsere Botschaft gegenüber dem Bund muss ganz klar sein: Nach vielen Jahren, in denen der Süden der Republik gut bedient wurde, muss nun der Norden dran sein“, erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Frank Nägele.

Sorgen bereitet der maritimen Wirtschaft vor allem die neue Schwefelrichtlinie, die ab Januar in Kraft tritt und den Schiffsbetrieb erheblich verteuern wird. Alle Versuche, eine längere Übergangsfrist auszuhandeln, seien leider gescheitert, bedauerte Claus. Er geht davon aus, dass rund zehn Prozent der Gütertransporte von den Fähren auf die Straße verlagert werden, da die Reeder die Kosten für die kostspielige Umrüstung der Schiffe oder den teureren Alternativkraftstoff auf die Kunden umlegen werden. Etliche Teilnehmer des Hafentages bezweifelten deshalb, dass der ursprüngliche Gewinn für die Umwelt durch die Reduktion der Schwefelemissionen tatsächlich eintritt.

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