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Konferenz in Bremerhaven : Maritime Wirtschaft: Merkel verspricht Entlastung für die Schifffahrt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Branche hofft auf Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Doch ein Wissenschaftler warnt vor Nachwuchsmangel.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2015 | 11:54 Uhr

Kiel/Bremerhaven | Angesichts des Kostendrucks in der internationalen Schifffahrt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den deutschen Reedern Entlastungen zugesagt. „Zwischen Bund und Ländern besteht Einigkeit, dass wir eine starke Seeschifffahrt unter deutscher Flagge brauchen“, sagte die CDU-Politikerin am Montag auf der 9. Nationalen Maritimen Konferenz in Bremerhaven. Sie kündigte eine gesetzliche Neureglung an, wonach die Reeder die Lohnsteuer der Beschäftigten unter deutscher Flagge künftig komplett einbehalten können. Auch bei den Sozialversicherungsbeiträgen sollten die Reeder entlastet werden.

Auf der zweitägigen Konferenz diskutieren rund 800 Vertreter der maritimen Wirtschaft seit Montag über die Zukunftsstrategien für ihre Branche. Die maritime Wirtschaft in all ihren Verästelungen bietet 400.000 Arbeitsplätze und erreicht einen Umsatz von 54 Milliarden Euro.

Zwei Themenblöcke kristallisieren sich als Schwerpunkte heraus: Verkehr und Infrastruktur sowie Innovation und Umwelt. Der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, der Bremerhavener SPD-Bundestagsabgeordnete Uwe Beckmeyer, will auf der Konferenz eine entsprechende Strategie vorlegen. Dahinter verbergen sich zahlreiche Einzelpunkte, von der Verkehrsanbindung der Häfen bis zur Technologieförderung der Werften und der Unterstützung der deutschen Flagge bei der Handelsflotte.

Der Bund hat schon vor der 9. Nationalen Maritimen Konferenz positive Signale gesendet. Der Bundestag verabschiedete eine 13 Seiten lange Entschließung, die fast alle von den Verbänden vorgebrachten Punkte aufgreift und die Bedeutung der maritimen Branchen herausstreicht. Der Beschluss aus Berlin ist noch kein Gesetz, sondern nur eine Grundlage für die weitere Politik. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wollen am zweiten Kongresstag die Pläne ihrer Ressorts vorstellen.

„Besonders das Bekenntnis zu Liquid Natural Gas (LNG) als Energieträger ist aus meiner Sicht die richtige Weichenstellung, von der der Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt, vor allem auch Schleswig-Holstein profitieren kann“, lobte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) den Beschluss. Meyer unterstützt Pläne, den Hafen Brunsbüttel zu einem nationalen Terminal für die Anladung von LNG auszubauen. Mit Blick auf die Nationale Maritime Konferenz erinnerte er daran, dass die maritimen Verbände den Bund aufgefordert haben, ein Förderprogramm für den LNG-Ausbau zu entwickeln. „Denn erst, wenn die Schifffahrt in größerem Stil auf LNG umstellt, wird es für Versorgungsunternehmen interessant, auch entsprechende Bunkerstationen einzurichten.“

Doch die Branche plagen auch vielfältige Sorge. Auf Nachwuchsprobleme in der Branche wies der Dekan für Seefahrt an der Jadehochschule im niedersächsischen Elsfleth, Ralf Wandelt, hin. „Das Problem ist, dass die jungen Leute keine Praxiserfahrungen mehr an Bord sammeln können“, sagte er. Diese seien für viele Berufe aber nötig. Seit Beginn der Schifffahrtskrise setzen viele deutsche Reeder verstärkt auf ausländische Nautiker, um Kosten zu sparen. Um eine Bundesratsinitiative der norddeutschen Länder, mit der die Beschäftigung deutscher Seeleute wieder attraktiver werden soll, geht es auch in Bremerhaven. Die Nationale Maritime Konferenz führt Verbände, Institutionen, Unternehmen und Politiker aus Bund und Ländern zusammen. Rund 800 Vertreter werden in Bremerhaven erwartet.

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