Geschäftsmann aus Flensburg : Marco Hahn – der unsichtbare Investor

Marco Hahn stammt aus Flensburg und lebt in der Schweiz.
Marco Hahn stammt aus Flensburg und lebt in der Schweiz.

Ein rätselhafter Sprengstoffanschlag und die Geschäftsaktivitäten mit der Uhrenmarke Kienzle lassen Schweizer Medien auf Marco Hahn aufmerksam werden.

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18. Januar 2014, 18:09 Uhr

Es ist still geworden um den Investor Marco Hahn. Seit Jahren lebt der aus Flensburg stammende Geschäftsmann in der Schweiz. Gemeinsam mit seiner Familie residiert er in einer Villa in Meggen bei Luzern, direkt am Vierwaldstättersee. In Deutschland hat der 45-Jährige viel Ärger. Noch immer versucht sein ehemaliger Hamburger Geschäftspartner Dirk Kessemeier von Marco Hahn mehr als 20 Millionen Euro einzutreiben, die ihm 2009 per Gerichtsurteil zugesprochen wurden, weil Darlehensverträge nicht beglichen wurden. Nicht bezahlt hat Hahn auch die im Jahr 2010 gerichtlich verhängten Schadensersatzansprüche der insolventen Datasave AG von mehr als sechs Millionen Euro – das Geld war veruntreut und in sein Firmenimperium umgeleitet worden.

Zuletzt hat der Investor im Jahr 2012 vor dem Flensburger Landgericht eine herbe Niederlage hinnehmen müssen und einen aufsehenerregenden Prozess gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner Frank Thielert verloren. Hahn war gemeinsam mit der Nord-Ostsee-Sparkasse zur Zahlung von 65 Millionen Euro an den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und Gründer des zwischenzeitlich insolventen Hamburger Flugzeugmotorenherstellers Thielert AG verurteilt worden. Er hatte mit Hilfe des Kreditinstituts unrechtmäßig mehr als drei Millionen Aktien verkauft, die ihm von Frank Thielert geliehen worden waren. Den Erlös kassierte Hahn. Das Berufungsverfahren in dem Prozess läuft noch. 

Teure Urteile für den Kaufmann, der in seinem Berufsleben Millionen eingenommen hat und der zu den zahlreichen Gerichtsverhandlungen in Hamburg und Flensburg bevorzugt mit dem Privatjet anreiste. Allerdings ist bei Marco Hahn nichts mehr zu holen. 2011 leistete er einen Offenbarungseid und gilt seither als mittellos. Irgendwie wurde die Miete in Höhe von monatlich rund 17.000 Euro für das Anwesen in Meggen mit 325 Quadratmeter Wohnfläche trotzdem stets pünktlich überwiesen. Und der Mann ist vorbestraft – 2011 wurde er wegen Veruntreuung von 23 Millionen Euro bei der ehemaligen Datasave AG zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Marco Hahn hält sich bedeckt und scheut die Öffentlichkeit. Allerdings interessieren sich jetzt die Schweizer Medien für den deutschen Geschäftsmann und seine Vergangenheit. So berichtete Ende August vergangenen Jahres die örtliche Regionalzeitung, der „Rigi Anzeiger“, über einen rätselhaften Anschlag im vornehmen Ort Meggen. Morgens um vier Uhr zündeten bis heute unbekannte Täter vor der Tür eines Wohnhauses einen Sprengsatz. Die Überwachungskamera am Hauseingang war ausgeschaltet, weshalb der oder die Täter nicht identifiziert und die Vorgänge nicht rekonstruiert werden konnten. Eine kurz vor dem Anschlag ins Haus eingezogene dänische Familie mit zwei Kindern flüchtete umgehend in ein Hotel. „Eine Warnung für den ausgezogenen Vormieter?“, fragte der „Rigi Anzeiger“ in der Berichterstattung und verwies auf einen „deutschen Investor, der in diverse Gerichtsverfahren verwickelt war“. Sein Name: Marco Hahn. Nachbarn werden mit der Aussage zitiert: „Wenn der Vormieter noch hier wohnen würde, wäre der Grund für einen Anschlag wohl nicht so rätselhaft.“

Zudem kann der Investor in diesen Tagen eine Geschichte über sich im Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ lesen. Unter dem Titel „Der geheime Mann“ geht es um den Neustart der Uhrenmarke Kienzle und den Schweizer Manager Thomas Morf, der sich „mit einem Wirtschaftskriminellen“ einließ, wie das Magazin schreibt. Gemeint ist: Marco Hahn. „Wiederholt sich am Vierwaldstättersee der deutsche Krimi?“, fragt das Magazin und zeichnet detailgenau die derzeitigen geschäftlichen Aktivitäten des Ex-Flensburgers nach. Danach soll Hahn dabei sein, über eine Gesellschaft mit dem Namen „Independent Watch Group“ mit Morf als Geschäftsführer die Uhrenmarke Kienzle neu zu etablieren. Die deutsche Kienzle AG hatte Hahn 2006 gemeinsam mit anderen Investoren übernommen. Das Unternehmen musste 2010 Insolvenz anmelden. Nach Recherchen von „Bilanz“ soll sich Hahn kurz vor der Pleite die Markenrechte gesichert und seinen Mehrheitsanteil an der Kienzle AG abgestoßen haben. „Während die neue Kienzle in der Schweiz entsteht, sogar mit einer Vertriebsfirma in Hamburg, läuft das Insolvenzverfahren der alten Kienzle aus Hamburg noch und warten die Gläubiger auf ihr Geld“, schreibt das Magazin.

Marco Hahn lässt in dem Beitrag über einen Anwalt erklären, er stehe persönlich in keiner Verbindung zu den Gesellschaften. Das mag so sein. Allerdings ist bekannt, dass er gerne seine Ehefrau oder langjährige Geschäftsfreunde als Gesellschafter einsetzt, während er selbst im Hintergrund die Fäden spinnt. Die „Independent Watch Group“ sei das Zentrum vom „hahnschen Firmennetz, das Hahns Ehefrau vor vier Jahren gegründet hat“, behauptet „Bilanz“. Zugleich wird Thomas Morf mit der Aussage über Hahn zitiert: „Er wird regelmäßig über den Stand der Entwicklungen informiert.“

Morf scheint vollstes Vertrauen zu Marco Hahn zu haben. „Ich habe Herrn Hahn immer als absolut korrekten Mann kennengelernt“, erklärt er. Das sehen ehemalige Geschäftspartner von Hahn ganz anders. Der Hamburger Dirk Kessemeier bezeichnet den Investor als „schwer Kriminellen“ – das  darf er auch, seitdem eine Klage von Hahn  dagegen von gerichtlicher Seite zurückgewiesen worden ist.

Fest steht: Was immer Hahn auch an geschäftlichen Aktivitäten in der Schweiz rund um die Marke Kienzle entwickelt – es ist trotz Offenbarungseid nicht illegal. Die Vergangenheit aber hat gezeigt, dass die geschäftlichen Aktivitäten von Marco Hahn regelmäßig staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und aufwändige Gerichtsverfahren zur Folge hatten. So liegt bei der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kiel seit Jahren eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Kiel vor. Der Vorwurf lautet: Untreue in einem besonders schweren Fall und Betrug (AZ:6KLS1/11). Die Ermittler werfen Hahn vor, seinen Schwiegervater Lorenz-Peter Stotz und den Hamburger Geschäftsmann Dirk Kessemeier 2006 beim Verkauf von Thielert-Aktien betrogen und den Veräußerungsgewinn von rund 32 Millionen Euro auf seine Privatkonten überwiesen zu haben. Das Gericht hat wegen Überlastung noch nicht entschieden, ob der Fall zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

Und es droht schon wieder neuer Ärger für Marco Hahn. Bei der Staatsanwaltschaft Kiel läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn – wegen der möglichen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Erklärung. Das bestätigte die Staatanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung. Die Staatsanwälte wollen Aufklärung über die wahren wirtschaftlichen Verhältnisse von Marco Hahn. Dafür werden auch Ermittlungen in der Schweiz  angestrengt. Offenbar geht es um die Frage, ob Hahn Vermögen beiseite geschaffen hat, um die Zwangsvollstreckung durch Gläubiger zu verhindern. Dabei soll auch seine mondäne Villa in Glücksburg bei Flensburg eine Rolle spielen, die er 2009 für acht Millionen Euro an seine Ehefrau verkauft hat. 

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