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Machtkampf bei der Provinzial

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Spekulationen um Entlassung des Vorstands – Eigentümer stellen sich hinter den Aufsichtsrat

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
erstellt am 22.Mai.2014 | 15:31 Uhr

Die Provinzial kommt nicht aus den Schlagzeilen – wieder demonstrieren Mitarbeiter, ist von Umbau-Plänen, Entlassungen und Einsparungen die Rede. Dabei geht es wohl nicht zuletzt um einen Machtkampf zwischen dem Aufsichtsrat des Unternehmens und seinem Vorstandschef. Die Eigentümer hielten sich bislang bedeckt. Gestern riss aber auch ihnen der Geduldsfaden. In einer gemeinsamen Mitteilung haben der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein sowie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Sparkassenverband Westfalen-Lippe sowie der Ostdeutsche Sparkassenverband ihr Unverständnis artikuliert und sich vor den Aufsichtsrat des Konzerns gestellt. Die Aufgabe der Aufsichtsräte sei es, sich mit bekannten, aber auch denkbaren Veränderungen zu befassen, so die Provinzial-Eigentümer.

Sie betonten gestern, dass ein Verkauf des Konzerns – zu dem auch die Provinzial Nord Brandkasse in Kiel gehört – nicht zur Debatte stehe. Darüber gebe es vertragliche Bindungen zwischen den Eigentümern, die genau das ausschließen. Auch Berichte, denen zufolge die Sparkassen in Zeiten niedriger Zinsen ein Auge auf die Versicherungsbestände der Provinzial geworfen haben sollen, wurden dementiert. „Eine Übertragung hat es nie gegeben und ist weder jetzt noch in Zukunft vorgesehen.“ Zum Verbleib der Vorstandsmitglieder schwiegen sich die vier Eigentümer hingegen aus – doch genau um die hatte es zuletzt die meiste Aufregung gegeben.

Am Dienstag hatten Medien in Münster berichtet, dass Aufsichtsratschef Rolf Gerlach dem Vorstandsvorsitzenden Ulrich Rüther den Laufpass geben will. Gerlach soll demnach bereits einen Headhunter für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger beauftragt haben. In Münster hatten sich Mitarbeiter daraufhin solidarisch mit ihren Chefs gezeigt und waren auf die Straße gegangen. Neben Rüther stehen den Berichten zufolge auch Finanzvorstand Ulrich Lüxmann-Ellinghaus und Personalvorstand Gerd Borggrebe auf der internen Abschussliste. Albert Roer, Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat, hat bereits angekündigt, juristische Schritte gegen das Vorgehen zu prüfen. „Das ist nicht Aufgabe von Herrn Gerlach, alleine einen Nachfolger zu suchen“, sagte er gestern. Auch die Politik zeigte sich alarmiert. In Kiel warnte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ralf Stegner, dass die Pläne das Unternehmen gefährdeten. „Die Provinzial Nordwest ist ausweislich ihrer Geschäftszahlen ein auch im Branchenvergleich hochprofitabel arbeitendes und gut aufgestelltes Unternehmen.“ Diese Erfolge hätten auch mit der Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Rüther zu tun, so Stegner weiter.

Unumstritten ist Rüther aber nicht. Ende 2012 geriet er nach einer Selbstattacke mit einem Schraubenzieher in die Schlagzeilen. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Vortäuschens einer Straftat wurde Ende Januar 2013 gegen Zahlung einer fünfstelligen Geldbuße eingestellt.

Rüther ist stets ein Gegner aller Verkaufspläne der Provinzial gewesen, hinter denen maßgeblich der Aufsichtsratsvorsitzende und Chef des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, Gerlach, gesehen wurde. Vor zwei Jahren trieb Gerlach – gebeutelt vom Desaster der WestLB – Verkaufspläne der Provinzial an die Allianz voran. Auch die zweite Option scheiterte: die Fusion der Provinzial NordWest mit der rheinischen Provinzial. Zuletzt sollte die Provinzial NordWest durch strukturelle Veränderungen Millionen einsparen.


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