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Deutsche Bahn : Lokführer-Streik: Leere Schienen in SH und Hamburg

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80 Prozent der Züge stehen. Die Bahn setzt Busse ein und stellt Hotelzüge für gestrandete Reisende bereit.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2014 | 09:58 Uhr

Hamburg | Der Streik der Lokführergesellschaft GDL hat am Samstagn in Norddeutschland für massive Behinderungen im Zugverkehr gesorgt. Ab 2 Uhr legten Hunderte Lokomotivführer die Arbeit nieder, sagte Hartmut Petersen vom GDL-Bezirk Nord. Insgesamt seien 80 Prozent der Züge ausgefallen.

Und auch am Sonntag müssen sich Tausende Reisende nach Alternativen umsehen. Die Lokführergewerkschaft GDL hat bekräftigt, den Streik bis Montagmorgen durchziehen zu wollen. Ein neues Tarifangebot des Konzerns hatte sie am Freitagabend abgeschmettert.

Die Bahn bemühte sich, mit einem Ersatzfahrplan die Auswirkungen auf die Passagiere möglichst gering zu halten. Nach Angaben der Bahn fuhr knapp jede dritte Bahn. Auf einigen Strecken in Schleswig-Holstein wurden zusätzlich Busse eingesetzt, wie ein Sprecher sagte. Die S-Bahnen in Hamburg fuhren am Samstag im 20-Minuten-Takt. „Das funktioniert reibungslos“, sagte ein Sprecher am Nachmittag.

Der Streik betraf nicht nur Wochenendpendler, sondern auch Urlaubsreisende und Ausflügler. In sieben Bundesländern beginnen die Herbstferien, in zwei Ländern gehen sie zu Ende. Für gestrandete Reisende stellte die Bahn eigenen Angaben zufolge Hotelzüge in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München bereit. Das Unternehmen bat seine Fahrgäste, sich auf der Bahn-Internetseite über die Ersatzfahrpläne zu informieren. Das große Chaos blieb am Hamburger Hauptbahnhof jedoch aus. Viele Reisende hätten sich vorab informiert und Alternativen gesucht, sagte ein Bahnsprecher. Der bundesweite Streik soll bis Montagmorgen um 4.00 Uhr andauern.

Von dem zweitägigen Streik profitieren im Fernverkehr vor allem Busse. Bereits am Freitag hatte die Nachfrage die Kapazitäten von Fernbus-Anbietern weit überschritten. MeinFernbus verzeichnete etwa eine Verdreifachung der Buchungen. Auf Omnibusbahnhöfen in ganz Deutschland herrschte am Samstagmorgen reger Andrang.

Massive Kritik an der Strategie  der GdL kommt von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Er habe das Gefühl, „dass das Augenmaß verloren geht“. Meyer sagte: „Man muss der Gewerkschaft deutlich machen: Wenn man Akzeptanz für seine  Forderungen haben will, gehört auch ein  entsprechendes Verhalten dazu. Viele Kunden werden am Wochenende mit Sicherheit kein Verständnis  mehr haben.“ Wenn die Konkurrenz zwischen Gewerkschaften für derart weitgehende Streikaufrufe genutzt werde, sei das  „kontraproduktiv“. Das Bundesarbeitsministerium müsse grundsätzlich eine Regelung finden, die  im Arbeitskampf dem Mehrheitsprinzip  Geltung verschaffe.

Stimmen aus Politik und Wirtschaft forderten die zerstrittenen Tarifpartner auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Am Freitag hatte die Bahn ein neues Tarifangebot vorgelegt - ohne Erfolg. Die GDL will mit dem Ausstand den Bahnverkehr in ganz Deutschland lahmlegen und so den Druck auf die Unternehmensleitung erhöhen. Der Güterverkehr wird bereits seit Freitagnachmittag bestreikt. Der gesamte Streik sollte am Montagmorgen um 4.00 Uhr enden, hieß es von der Gewerkschaft.

Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn und eine kürzere Arbeitszeit. Außerdem strebt sie die Federführung bei Tarifverhandlungen auch für Zugbegleiter und andere Bahnmitarbeiter an, die bislang von der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten werden. Bahn-Vorstand Ulrich Weber kritisierte den Streikaufruf der Lokführergewerkschaft scharf. „So kurzfristig und in dieser Dimension sind die Streiks völlig verantwortungslos und an der Grenze zur Irrationalität“, sagte der Manager der „Bild“-Zeitung (Samstag). Weber bemängelte, dass sich die Gewerkschaft trotz des jüngsten Tarifangebots „keinen Millimeter“ bewege.

Der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, kritisiert die GDL ebenfalls hart. Er sagte dem Blatt: „Das ist eine riesengroße Verantwortungslosigkeit der GDL. Wenn die Kunden wegbleiben und die Ware nicht ankommt, weil die Bahn nicht fährt, ist das eine absolute Katastrophe für unsere Unternehmen und Beschäftigten.“

Die Fremdenverkehrs-Branche im Norden befürchtet angesichts des Streiks Umsatzeinbußen. „Grundsätzlich ist eine schnelle und stressfreie Erreichbarkeit von Urlaubsorten ein zentraler Erfolgsfaktor“, sagt Andrea Gastager, Geschäftsführerin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash).   „Bedauerlich ist, dass der Streik gerade auf ein Wochenende fällt, an dem in sieben Bundesländern die Herbstferien beginnen. Dadurch sind  von dem Streik  nicht nur die Tages- und Wochenendausflüger betroffen.“  Beim Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT) verweist man zudem auf die außergewöhnlich gute Wetterprognose für den morgigen Sonntag. Fahren dann keine Züge, koste das die Küste potenzielle Einnahmen, so Sprecherin Juliane König. An der Westküste hingegen tröstet man sich, dass dort nur der Fernverkehr betroffen ist. Die Züge der privaten Nord-Ostsee-Bahn zwischen Hamburg und Sylt werden nicht bestreikt. Rund zehn Prozent der Übernachtungsgäste Schleswig-Holsteins reisen  per Bahn.

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