Getränkemarkt : Likör und Limonade aus eigener Hand

Hat schon beim Abfüllen des nordfriesischen Partygetränkes 'Fieser Friese' Spaß: Holger Rasch.
Hat schon beim Abfüllen des nordfriesischen Partygetränkes "Fieser Friese" Spaß: Holger Rasch.

Regionalisierung statt Globalisierung: Wer etwas auf sich hält, sucht Getränke abseits der Massenware. Schleswig-Holstein bietet reichlich Auswahl.

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25. Oktober 2011, 08:34 Uhr

Hamburg/ Kiel | Mit einer Party hat alles angefangen. In Langenhorn bei Bredstedt mixte Rouven Heylmann im Jahr 2000 zum ersten Mal seinen giftgrünen Cocktail mit dem verstörenden Namen "Fieser Friese" zusammen. Das alkoholische Getränk auf Wodka-Basis mit Waldmeister- und Grapefruit-Geschmack erobert seitdem die nordfriesische Partyszene. "Keine Übertreibung: Fieser Friese ist der meist getrunkene Kurze in Nordfriesland", verkündet Heylmann heute stolz.
Der Unternehmer konzentriert sich zusammen mit seinem Partner Gunnar Voigt erst seit Mitte dieses Jahres voll und ganz auf die Entwicklung der regionalen Alkoholmarke. Sie gehören zu einer Reihe an Neugründern, die derzeit versuchen, mit Getränken in Eigenproduktion den Markt zu erobern oder eine Nische zu besetzen. Ob "Fieser Friese" aus Nordfriesland, der Holunderlikör "HolySeven" aus Ostholstein, das Flensburger Biobier "Urstrom", die Öko-Limonaden "LemonAid" und "ChariTea" oder die mit Dattelsirup versüßte "Haji"-Cola aus Hamburg - sie alle stellen Getränke dar, die sich von der Massenproduktion abheben.
"LemonAid" und "ChariTea": Absatz soll verdoppelt werden
Und sie sind erfolgreich. Die Gründer der LemonAid Beverages GmbH mit Sitz auf St. Pauli etwa, Jakob Berndt und Paul Bethke, wollen von ihren fair gehandelten Limonaden "LemonAid" und "ChariTea" dieses Jahr 1,5 Millionen Flaschen verkaufen - das wäre eine Steigerung um das Doppelte gegenüber dem Vorjahr. "Es kommen immer mehr Städte, mehr Partner hinzu", sagt Berndt. Auch die Strandgut Getränke GbR aus Warnsdorf, die den "HolySeven"-Likör produziert, verzeichnet ein deutliches Wachstum: Von 2010 auf 2011 verdreifachte sich der Verkauf, zehntausend Flaschen sollen dieses Jahr über die Ladentheke gehen. Heylmann und Voigt peilen 2011 an, eine halbe Million Exemplare ihrer 2cl-Kleinstflasche an den Mann zu bringen. "Diese Marke werden wir auch knacken", ist Heylmann überzeugt. Von der 0,7-Liter-Flasche ihres Likörs verkaufen sie im Schnitt 20.000 bis 30.000 Exemplare pro Jahr.
Die Popularität der Erzeugnisse gründet auch auf den Trend zur Regionalisierung als Gegentrend zur Globalisierung. "Verbraucher suchen nach speziellen Getränken, die in der Masse nicht zu haben sind", sagt Günther Guder vom Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels. Eine wichtige Zielgruppe sind dabei Verbraucher, die viel Wert auf Gesundheit und Nachhaltigkeit legen.
Deutsche trinken 118,2 Liter Cola, Limonade und Saft
Forscher und andere Experten sprechen bei diesen Konsumenten gerne von "Lohas". Der Begriff stammt aus dem Englischen und steht für "Lifestyles of Health and Sustainability" (Lebensstile für Gesundheit und Nachhaltigkeit). Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung machen sie ein Viertel der Endkonsumenten aus. Hinzu kommt für die antialkoholischen Getränke: Die Deutschen trinken viel Cola, Limonade oder Saft - der Pro-Kopf-Verbrauch ist von 117 Litern in 2009 auf 118,2 Liter in 2010 gestiegen. Der Konsum von Bier, Wein, Sekt und Spirituosen sinkt dagegen weiter, zumindest auf den Gesamtabsatz bezogen.
Der nachlassende Durst der Deutschen nach Alkoholika scheint den Trendlikör "Fieser Friese" bisher wenig zu schaden. Gut möglich, dass dies auch mit dem Namen und Logo der Marke zusammenhängt. Von den Flaschen schaut ein grimmiger Bartträger mit Fischermütze und Pfeife entgegen. "Das Verstohlene liegt vielleicht auch in der friesischen Mentalität", vermutet Heylmann.

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