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Ausbildungsplätze : Lehrstellenangebot in Schleswig-Holstein sinkt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im nördlichsten Bundesland sind derzeit 1562 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Eine mögliche Erklärung für den dramatischen Anstieg sind die starken Schulabschlussjahrgänge.

Kiel | So groß kann die Sorge um den Fachkräftemangel nicht sein: Noch immer sind in Schleswig-Holstein 1562 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, das sind 540 mehr als vor einem Jahr. Dem stehen nur 848 offene Stellen gegenüber, vor zwölf Monaten waren es 24 mehr. Die Chefin der Regionaldirektion für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, appellierte gestern in Kiel an die Arbeitgeber, auch Jugendlichen mit Startschwierigkeiten eine Chance zu geben.

Verglichen mit den 1562 unversorgten Jugendlichen sind die Zahlen zum Beispiel für 2010, – da waren es 725, 2009 sogar nur 375 – Peanuts. Als eine mögliche Erklärung für den dramatischen Anstieg nennt die Arbeitsagentur (BA) die starken Schulabschlussjahrgänge. In anderen Bundesländern sinke die Zahl der Abgänger bereits. Zudem wurden von den bislang 1522 außerberuflichen Ausbildungsplätzen 511 gestrichen. Grund: Die Erfahrung zeige, dass im Betrieb ausgebildete Jugendliche nach der Lehre leichter eine Stelle finden, als solche, die in einem „virtuellen“ Betrieb gelernt haben. Im Gegenzug hat die BA die Mittel für Langzeitpraktika und ausbildungsbegleitende Hilfen erhöht. Wer es nötig hat, bekommt zum Beispiel Mathenachhilfe, um in der Berufsschule mitzuhalten. Ziel sei es, die Verantwortung für die Ausbildung und damit auch die Vorsorge gegen den Fachkräftemangel schwerpunktmäßig in die Betriebe zu verlegen.

Dabei steigt nicht nur im Norden die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle. Bundesweit sind es 21.000, 5400 oder rund vier Prozent mehr als im September 2012. „Es ist schwieriger geworden, Bewerber und Ausbildungsstellen zusammenzubringen“, sagte gestern BA-Vorstand Raimund Becker. Auf eine betriebliche Ausbildungsstelle kommen statistisch gesehen 1,2 Bewerber. Seit Jahren sei die Ausbildungsbereitschaft rückläufig. 2012 stellten nur noch 21,7 Prozent der 2,1 Millionen Unternehmen Azubis ein. Vor allem kleinere Betriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück.

Die Gewerkschaften kritisieren, dass fast jeder dritte Jugendliche mit Hauptschulabschluss zunächst in einer Warteschleife des Übergangssystems lande, die nicht zu einer voll qualifizierenden Ausbildung führe. Die Faustformel, dass bei guter Konjunktur auch die Zahl der Ausbildungsverträge steige, gelte nicht mehr.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 00:34 Uhr

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