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"Ein ganzes Bundesland getroffen" : Kritik an Schleusen-Streiks wird lauter

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Enttäuschte Kreuzfahrtpassagiere und frustrierte Reeder: Die Streiks an den Schleusen brüskiert die Wirtschaft. An der Gewerkschaft Verdi prallt die Kritik ab.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 02:14 Uhr

Kiel | Ein sofortiges Ende der Streiks an deutschen Schleusen hat der Verband der in Europa tätigen Flusskreuzfahrtreedereien gefordert. Der dreiwöchige Arbeitskampf der Beschäftigten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes habe bei der Binnenschifffahrt und insbesondere den Flusskreuzfahrtunternehmen noch nicht absehbare wirtschaftliche Schäden verursacht, teilte der Verband IG RiverCruise am Montag in Hamburg mit. "Für Tausende Passagiere mussten die Reedereien und Reiseveranstalter kurzfristig und mit hohem Aufwand Ersatzprogramme organisieren, Busse und Flugzeuge chartern, Hotels anmieten und Logistikketten verändern." Einzelne Reisen hätten abgebrochen und die Passagiere vorzeitig nach Hause geflogen werden müssen. Durch die spontanen Schleusensperrungen sei den Reedereien jegliche Planungsgrundlage entzogen. "Ganz zu schweigen von noch gar nicht absehbaren Rückzahlungsforderungen enttäuschter Passagiere", so Helge Grammerstorf, Geschäftsführer des Branchenverbandes.
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) warnte insbesondere vor einer Wiederaufnahme des Streiks am Nord-Ostsee-Kanal (NOK). "Nach der technischen Blockade wegen maroder Schleusentore droht jetzt der Streik die Verlässlichkeit in den Kanal auf Dauer zu schädigen", sagte VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel am Montag in Hamburg. Reedereien könnten deshalb in Zukunft den Kanal meiden und als Alternative größere Schiffe von Rotterdam über den Skagerrak in die Ostsee schicken. "Wir appellieren an die Beteiligten, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und zu einigen", sagte Nagel.

Verdi: "Wir sind die falschen Adressaten"

Auch von der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein kam Kritik. UVNord-Präsident Uli Wachholtz sagte: "Streiks sollen wirtschaftlich möglichst keine Unbeteiligten treffen, sondern in erster Linie den Tarifpartner." Beim Kanalstreik werde aber nicht der Bund als Arbeitgeber, sondern vor allem die Schifffahrt erheblich getroffen und darüber hinaus ein ganzes Bundesland.
Die Gewerkschaft Verdi will den seit Sonntagabend für drei Tage ruhenden Streik von Schleusenwärtern im Norden am Mittwoch deutlich ausweiten. Dann sollen 600 Schleusenwärter in Kiel, Lübeck, Lauenburg, Stralsund und Rostock die Arbeit niederlegen. Darüber hinaus kann es in Kiel-Holtenau bis Mitte November bei der Ein- und Ausfahrt in den NOK weitere Behinderungen wegen turnusmäßiger Bauwerksinspektionen an den großen Schleusenkammern geben. Zunächst geht laut Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel-Holtenau am Mittwoch die große Nordkammer für mehrere Wochen außer Betrieb. Zeitgleich mit der Inspektion sollen dringend notwendige Reparaturen für die dauerhafte Betriebssicherheit der Schleuse vorgenommen werden.
Verdi sieht sich zu Unrecht in der Kritik: "Wir sind die falschen Adressaten", sagte Verdi-Sprecher Jochen Penke am Montag. Die Gewerkschaft bestehe auf Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag über die geplante Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in Deutschland, der bis zu 3000 von 12.000 Arbeitsplätzen zum Opfer fallen könnten. Die Zusicherungen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), es werde keine Kündigungen geben, seien arbeitsrechtlich nicht hieb- und stichfest. Im übrigen habe die Gewerkschaft weitergehende Forderungen.

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