Säumige Zahler : Krankenkassen wollen Zusatzbeiträge eintreiben

Die Krankenkassen wollen Geld sehen: Die DAK droht mit Pfändung von ausstehenden Zusatzbeiträgen. Foto: dpa
Die Krankenkassen wollen Geld sehen: Die DAK droht mit Pfändung von ausstehenden Zusatzbeiträgen. Foto: dpa

Wer nicht zahlt, dem wirds gepfändet. Die Krankenkassen DAK und BKK Novitas wollen noch offene Zusatzbeiträge ihrer Versicherten eintreiben - notfalls mit harten Methoden.

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09. März 2011, 10:39 Uhr

Wer seiner Krankenkasse den Zusatzbeitrag schuldig bleibt, muss jetzt mit einer Pfändung rechnen. Die Kassen wollen ihre Gangart verschärfen, denn die Zahl säumiger Versicherter steigt rapide. Bei der DAK haben rund 220.000 der 4,5 Millionen Mitglieder nicht bezahlt, "obwohl sie zunächst telefonisch und dann schriftlich auf ihre Zahlungspflicht hingewiesen wurden", sagte ein DAK-Sprecher. "Als letzter Schritt bleibt nur die Möglichkeit, die Hauptzollämter einzuschalten", so der Sprecher weiter.
Bevor es zur Pfändung kommt, will die DAK, dass die Betroffenen noch einmal informiert werden. Andere Krankenkassen sollen die Daten der Versicherten, die ihren Zusatzbeitrag nicht gezahlt haben, schon an die zuständigen Hauptzollämter weitergegeben haben. Die Behörden sollen nun die Außenstände eintreiben und notfalls zum Beispiel das Gehalt der Betroffenen pfänden.
Ein Viertel des Zusatzbeitrags geht für Mahnverfahren drauf
Den Zusatzbeitrag von meist acht Euro pro Monat erhebt bislang jede zehnte der rund 150 Krankenkassen. Das Eintreiben des relativ niedrigen Betrages ist sehr kostenintensiv. Zwei der acht Euro gehen nach Schätzungen von Experten für den bürokratischen Aufwand beim Mahnen drauf.
Derweil deutet sich an, dass künftig noch mehr Krankenkassen Zusatzbeiträge erheben müssen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr mit einem Minus von 445 Millionen Euro abgeschlossen. Zum Vergleich: Noch 2009 verzeichneten sie einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro.
Auch AOK und Barmer GEK im Minus
Für das laufende Jahr werden allerdings keine Defizite erwartet. "Neue Zusatzbeiträge auf breiter Front sehen wir in diesem Jahr nicht, aber sie lassen sich keinesfalls gänzlich ausschließen", sagte der Sprecher des Kassenverbands, Florian Lanz, in Berlin. Ausschließen kann sie jedoch Sprecher Jens Kuschel von der AOK Nordwest in Kiel für die 700.000 AOK-Versicherten im Norden: "Wir garantieren im Jahr 2011 keine Zusatzbeiträge zu erheben", erklärte er in Kiel. Daran ändert auch nicht, dass die AOK bundesweit 2010 ein Minus von 515 Millionen Euro gemacht hat. Der Branchenprimus, die Barmer GEK, kam auf ein Minus von 298 Millionen Euro. Der Grund: Die Ausgaben für Ärzte, Krankenhäuser und Medikament sowie für das Krankengeld und die Verwaltung sind gestiegen.
(kim, shz)

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