Streit um Windmesse : "Kooperation statt Kannibalismus"

Im Streit um die Leitmesse der Windenergie haben CDU-Politiker aus Hamburg und Schleswig-Holstein die Standorte Husum und Hamburg zur Zusammenarbeit aufgefordert.

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06. Dezember 2011, 12:53 Uhr

Husum | "An einer Zusammenarbeit zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg führt kein Weg vorbei, und je eher die verfahrene Lage um die Windmesse durch neue Gespräche bereinigt ist, desto besser" – darin waren sich der wirtschaftspolitische Sprecher der Kieler CDU-Landtagsfraktion, Jens-Christian Magnussen, und seine Amtskollegin von der CDU-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft, Karin Prien, völlig einig. Und auch darüber, dass das Problem seine Wurzeln in der Hansestadt habe: Dass die Hamburg-Messe den Streit um den künftigen Standort der Leitmesse für die Windkraftbranche noch einmal verschärft und ihre Konkurrenzveranstaltung auf exakt den Zeitpunkt der "Husum WindEnergy 2014" verlegt habe, sei fast einer "Ausgrabung des Kriegsbeils" nahe gekommen, hieß es nach einer Beratung von Wirtschaftspolitikern der Union aus Kiel und Hamburg. Im Nordsee-Congress-Centrum in Husum hatten sie sich getroffen und von Messechef Peter Becker über Leistungsfähigkeit und Ausbaupotenzial der Anlage in der Storm-Stadt informieren lassen.
"Das Vorgehen der Hamburger Messe, mit der wir ja einen Kooperationsvertrag haben, entbehrt nicht nur jeder Fairness, sondern ist auch eine Zumutung für die Branche, die dadurch zerrissen wird", so Becker. Zwar hätten sich mit Vestas und Enercon die beiden führenden Unternehmen, die in Deutschland zusammen allein zwei Drittel der Marktanteile halten, bereits für Husum ausgesprochen. "Aber die Zulieferer stecken in der Klemme – die müssen sich entscheiden." Husum jedenfalls werde nicht von seinem Termin abrücken: "Wir werden 2012 eine tolle Messe hinlegen und damit die Branche für 2014 überzeugen", versprach Becker.
Die Entflechtung der Termine habe "oberste Priorität", so die nordfriesische CDU-Landtagsabgeordnete Ursula Sassen. Sie habe aber den Verdacht, dass parteipolitisches Kalkül hinter der Konfrontation stecke. Auch Karin Prien sieht die Politik in Hamburg in der Schuld: "Die Stadt ist Gesellschafter der Messe – da steht SPD-Bürgermeister Olaf Scholz natürlich in der Verantwortung." Prien warnte davor, beide Messen gegeneinander auszuspielen: "Dann kann nur die Wirtschaftsregion Norddeutschland als Ganzes verlieren." Vorstellbar sei jedoch eine Trennung in jeweils eine Onshore- und eine Offshore-Messe in Husum und in Hamburg. "International ist diese Trennung längst üblich."

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