Lindenau-Werft : Kieler Werft baut modernstes Segel-Transportschiff

Mit einem herkömmlichen Segelschiff hat das 'E-Ship' nicht mehr viel zu tun: Der Wind wird in vier turmartigen Rotoren gesammelt, die den Schiffsantrieb bei günstigen Bedingungen unterstützen. Grafik: Enercon
Mit einem herkömmlichen Segelschiff hat das "E-Ship" nicht mehr viel zu tun: Der Wind wird in vier turmartigen Rotoren gesammelt, die den Schiffsantrieb bei günstigen Bedingungen unterstützen. Grafik: Enercon

Steigende Treibstoffpreise lassen Ingenieure kreativ werden. Das Hamburger Unternehmen SkySails hat Frachtschiffe mit Zugdrachen ausgerüstet.

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22. August 2008, 06:25 Uhr

Die weltweit steigenden Treibstoffpreise lassen die Ingenieure zu wahren Erfindern werden. So hat das Hamburger Unternehmen SkySails beispielsweise Frachtschiffe mit Zugdrachen ausgerüstet, um die kostenlose Windenergie zu nutzen. Auf der Kieler Lindenau-Werft, spezialisiert auf die Konstruktion und den Bau von umweltfreundlichen Doppelhüllentanker, ist jetzt in Friedrichsort eine weitere Neuheit vom Stapel gelaufen: das Transportschiff "E- Ship 1". "Es ist das weltweit erste wirtschaftlich genutzte Schiff der modernen Zeit, das segeln kann", erläutert der Diplom-Ingenieur der Lindenau-Werft, Jacob-Heye Waldecker.
Neben dem konventionellen Schiffsmotor wird das 130 Meter lange und rund 23 Meter breite "E-Ship" von vier Segelrotoren angetrieben. Die etwa 25 Meter hohen Metallzylinder mit ihrer vertikalen Rotationsachse haben den gleichen Effekt wie die Tragflächen eines Flugzeugs. "Am effizientesten sind die Rotoren, wenn der Wind schräg von vorne bis quer kommt", schildert Waldecker.
"Die steigenden Ölpreise sorgen für einen wahren Innovationsschub"
Die Grundlage des Rotorenantriebs wurde bereits in den 20er Jahren gelegt. Damals rüstete der Ingenieur und Erfinder Anton Flettner ein Schiff erstmalig mit Rotoren aus. Seine Idee fand jedoch keinen Anklang, weil die Brennstoffkosten gering waren und die Reeder daher keinen Grund für Neuerungen sahen. Doch das ist heute anders. "Die steigenden Ölpreise sorgen für einen wahren Innovationsschub", sagt der Strömungstechniker und Professor an der Fachhochschule Kiel, Kai Graf. "Die Varianten an Windantriebssystemen werden zunehmen; die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft."
Auch bei der Entwicklung des "E-Ship" war der Anstieg der Ölpreise schon länger ein Thema. "Uns hat der Gedanke beschäftigt, wie man Windenergie auf einem Schiff optimal nutzen kann, um möglichst effizient und kostengünstig zu transportieren", sagt Volker Uphoff, Sprecher des Auricher Windenergieanlagenherstellers Enercon (Niedersachsen). "Das Antriebsmoment ist und bleibt aber grundsätzlich die Reduzierung des CO2-Ausstoßes".
Für klassische Container- oder Autoschiffe sind diese Rotoren nichts
Das Unternehmen hat das Spezialschiff im April 2006 in Auftrag gegeben und zahlreiche Komponenten wie die Segelrotoren selbst entwickelt. Vom nächsten Jahr an soll das "E-Ship" die Windenergieanlagen Enercons transportieren. Damit trägt es in doppelter Hinsicht zur umweltfreundlichen Energiegewinnung bei: Während das Schiff Anlagen transportiert, die Wind zum Antrieb nutzen, spart es durch die Segelrotoren selbst Brennstoff ein.
Nach Ansicht von Graf wird das neue Windantriebssystem nur für bestimmte Schiffe und damit nicht für alle anwendbar sein. "Die Segelrotoren brauchen viel Platz und müssen frei angeströmt werden. Für klassische Container- oder Autoschiffe ist das nichts", sagt Graf. Die Einzelteile der Windenergieanlagen haben den Vorteil, dass sie unter Deck oder flach auf dem Deck transportiert werden können. Nach Testfahrten wird das Schiff spätestens Anfang nächsten Jahres an Enercon übergeben. "Der europäische Schiffbau ist nur überlebensfähig, wenn wir auf diesem Gebiet innovativer sind als die Kollegen in Asien", sagt Graf. Das "E-Ship" sei ein gutes Beispiel dafür.

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