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Ellen Johnson Sirleaf : Kieler Weltwirtschaftspreis für Liberias Präsidentin

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Visionäre in Kiel: Außergewöhnliche Politiker, Unternehmer und Ökonomen werden ausgezeichnet. Diesmal geht der Weltwirtschaftliche Preis an Liberias Staatspräsidentin. Sie kommt ebenso zur Kieler Woche wie eine Top-Unternehmerin aus Indien.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 15:51 Uhr

Kiel | Eine Staatschefin aus Afrika, eine herausragende Unternehmerin aus Indien und ein Berater von US-Präsident Barack Obama erhalten in diesem Jahr den Kieler Weltwirtschaftlichen Preis. Die Preisträger gab der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, am Freitag bekannt: Liberias Staatspräsidentin Ellen Johnson Sirleaf, die Biotechnologie-Unternehmerin Kiran Mazumdar-Shaw und der amerikanische Ökonom Richard Thaler. Sie werden den Preis während der Kieler Woche am 22. Juni entgegennehmen. Die Festrede hält Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

Snower bezeichnete alle drei Ausgezeichneten als Visionäre. „Sie helfen uns zu verstehen, wie man aus der Globalisierung etwas Nachhaltiges schaffen kann.“ Aus Sicht Snowers tragen sie auch dazu bei, das Menschenbild in der Wirtschaftswissenschaft über rein rationale und materialistische Aspekte hinaus zu erweitern. Das IfW, die Landeshauptstadt Kiel, sowie die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein würdigen mit dem zum zehnten Mal vergebenen Preis jährlich einen Politiker, Ökonomen und Unternehmer, die sich als Vordenker einer weltoffenen und marktwirtschaftlichen Gesellschaft verdient gemacht haben.

Ellen Johnson Sirleaf wurde als erste Frau in Afrika durch eine demokratische Wahl Staatsoberhaupt. Seit 2006 ist die Wirtschaftswissenschaftlerin und Friedensnobelpreisträgerin im Amt. Zuvor war das Land im Chaos versunken, mit extrem hoher Arbeitslosigkeit und ohne funktionierende Verwaltung. „Der Staat hatte versagt“, sagte Snower. „Sie hat diesen Staat neu erfunden.“ Sirleaf habe ihrer Heimat nicht nur Demokratie gebracht, sondern auch mütterliche Eigenschaften wie Fürsorge und Empathie in die Politik eingeführt.

Kiran Mazumdar-Shaw führt in Bangalore das Biotechnologie-Unternehmen Biocon Limited. 1978 hatte sie begonnen, mit einem Startkapital von 250 Dollar. Heute ist ihre Firma eine der größten der Branche weltweit. Das „Forbes“-Magazin führt die 61-Jährige auf der Liste der 100 mächtigsten Frauen. Auch bei der Entscheidung für sie spielte nicht nur unternehmerischer Erfolg eine Rolle: „Sie hat viel für die Armen getan“, sagte Snower.

Der Ökonom Thaler von der Universität Chicago wurde ausgewählt, weil er als „Vater der Verhaltensökonomie“ ein Visionär sei, wie Snower sagte. Für seine Untersuchungen empirisch nachgewiesener, aber nicht erklärbarer Phänomene sei er lange belächelt worden.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Altkanzler Helmut Schmidt, die früheren Präsidenten von EU-Kommission und Europäischer Zentralbank, Jacques Delors und Jean-Claude Trichet, Norwegens Ex-Regierungschefin Gro Harlem Brundtland, mehrere Nobelpreisträger sowie Spitzen-Unternehmer wie Wendelin Wiedeking (Porsche), Ingvar Kamprad (Ikea), Dietmar Hopp (SAP) und Liz Mohn (Bertelsmann).Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) nannte den Preis einen der ganz besonderen Höhepunkte während der Kieler Woche. Er sei beeindruckt von der Prominenz der Preisträger, die Jahr für Jahr nach Kiel kommen. Nach Ansicht des Vizepräsidenten der IHK Schleswig-Holstein, Klaus-Hinrich Vater, haben der Preis und das Weltwirtschaftliche Symposium des IfW den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein deutlich aufgewertet.

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