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Verschleppte Sanierung am UKSH : Kieler Uniklinik: Erst Keimskandal, jetzt Millionengrab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Klinik-Neubau kommt zu spät: Zunächst muss in den Abrissgebäuden in teuren Brandschutz investiert werden.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Kiel | Jetzt rächt sich, dass die Sanierung des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) jahrelang verschleppt wurde. Das Land muss nicht nur Millionen für provisorische Container-Intensivstationen ausgeben. „Mindestens ebenso teuer werden Brandschutzmaßnahmen in Gebäuden, die demnächst abgerissen werden sollen“, beklagt UKSH-Chef Jens Scholz. Eine Alternative habe er nicht. „Wenn wir die vorgeschriebenen Auflagen nicht erfüllen, macht uns die Aufsichtsbehörde den Laden dicht.“

Die Folge: In der Kinderklinik, die nach dem neuen Masterplan in das geplante Zentralklinikum umziehen soll, werden aktuell 2,2 Millionen Euro für den Brandschutz ausgegeben. In der Haut- sowie der Hals-Nasen-Ohrenklinik sind es 700.000 Euro. Auch diese Kliniken sollen in den Neubau umziehen, der von einem Bau-Konsortium gemeinsam mit dem Land bis 2022 auf dem Kieler Campus errichtet werden soll. Ursprünglich war der Spatenstich schon für 2009 im Gespräch.

Zuvor hatten Gutachter dem Land bescheinigt, dass etliche teilweise unter Denkmalschutz stehende Gebäude (Klinik für Innere Medizin und die Augenklinik) nicht mehr den medizinischen Ansprüchen entsprechen und ineffizient in der Bewirtschaftung sind. Der Expertenrat: abreißen und neu bauen oder andere Nutzungen suchen. Doch immer wieder gab es Streit und Verzögerungen. Mal intervenierte der Rechnungshof, dann eckte die CDU mit ihren Privatisierungsplänen an, und nach dem Regierungswechsel benötigte die Küstenkoalition zwei Jahre für ihre Bestandsaufnahme und Neuorientierung.

Im Kieler Sozialministerium ist man über die Investitionen in Abrisshäuser ebenfalls nicht glücklich. „Es gibt jedoch keine zwei Meinungen, wenn es um die Sicherheit der Patienten geht“, erklärt Ministeriumssprecher Christian Kohl. Insofern wird das Land auch nicht um die 900.000 Euro herumkommen, die demnächst in der Inneren Medizin für Brandschutzmaßnahmen fällig werden.

Die Klinik war jüngst wegen gefährlicher Keime in die Schlagzeilen geraten. Externe Experten hatten über den baulichen Zustand nur den Kopf geschüttelt und Hygienefachkräften und Putzpersonal bescheinigt, dass das Reinigen des alten Gemäuers eine besondere Herausforderung sei. Jetzt soll für sieben Millionen Euro eine Containerstation errichtet werden – als Übergangslösung bis der Neubau fertig ist. „Das fahrlässige Handeln der Vergangenheit holt uns heute ein“, meint Pirat Wolfgang Dudda. Natürlich gehe der Brandschutz vor. „Aber wegen der jahrelangen Verzögerungen beim Klinikneubau wird jetzt Geld des Steuerzahlers verbrannt.“ Das werfe ein „sehr schlechtes Licht auf die bisherigen Landesregierungen, die sich nicht um das UKSH gekümmert haben“.

Diese scheint nun aktiv zu werden. Am Dienstagnachmittag will die Wissenschaftsministerin Ahlheit einen Maßnahmenkatalog vorstellen. Um bauliche Vorhaben gehe es dabei ebenso wie um angestrebte Änderungen auf Bundesebene.

Räumliche Enge kann zur Ausbreitung des Keims in Kiel beigetragen haben. So wurde der als Auslöser der „Keim-Krise“ geltende Patient – er war krank aus dem Türkei-Urlaub gekommen – in einem Dreibettzimmer untergebracht, weil auf der Intensivstation der Inneren Medizin kein Einzel-Isolationszimmer frei war. Inzwischen konnte die Ausbreitung des gefährlichen Keims gestoppt werden. Auf zwei isolierten Intensivstationen liegen nun noch insgesamt 15 Menschen, bei denen der multiresistente Keim nachgewiesen wurde.

Auf Bundesebene kämpfen Landesregierung und Klinikum dafür, dass die Krankenhäuser künftig auf einer einheitlichen Grundlage vergütet werden. Bisher gehört Schleswig-Holstein zu den Ländern mit dem niedrigsten sogenannten Basisfallwert.

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