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„Global Economic Symposium“ : Kiel wird zum Zentrum der Weltwirtschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sind manche Finanzmärkte schädlich für die Gesellschaft- nur um einigen Akteuren Profit zu liefern? Wie geht es mit Griechenland weiter? Namhafte Wirtschaftsexperten diskutieren in Kiel.

Kiel | Die Landeshauptstadt ist ein beliebtes Pflaster bei Nobelpreisträgern. Im vergangenen Jahrhundert wurden sieben Wissenschaftler, die an der Förde wirkten, mit der höchsten internationalen Ehre ausgezeichnet. Und auch aktuell preisgekrönte Häupter zieht es nach Kiel: Ab Montag, 12. Oktober, wird Nobelpreisträger Georg Akerlof (USA) dabei sein, wenn sich die ökonomische Fachwelt beim 8. Global Economic Symposium (GES) um Antworten auf drängende Fragen der Weltwirtschaft bemüht.

Rund 350 Teilnehmer wollen sich bis Mittwoch, 14. Oktober, bei der Veranstaltung im Hotel Atlantic schwerpunktmäßig auf die Suche nach gemeinsamen Werten für die Lösung globaler Probleme machen. Denn in einer „fehlenden europäischen Identität“ sieht Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft und Erfinder des GES, die Hauptursache dafür, dass zum Beispiel die Krise in Griechenland und Europa nicht endet. „Das derzeitige Zugehörigkeitsgefühl der Europäer ist von nationalen Grenzen bestimmt, nicht von europäischen Institutionen“, so die Wahrnehmung des amerikanischen Staatsbürgers, der seit zwölf  Jahren das renommierte Kieler Institut leitet. Er ist überzeugt: „Europas wirtschaftliche und politische Probleme sind nur ein Symptom einer viel größeren Herausforderung: der Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Zielbewusstseins.“

Was für Europa gilt, lässt sich laut Snower auch auf weltpolitische Probleme wie die Finanzkrise, Migration oder den Klimawandel übertragen. Hier sei es wichtig, die Wertvorstellung der Beteiligten zu erkennen, zu akzeptieren und gemeinsame Werte-Sets zu definieren. Auf dem GES Symposium sollen dafür konkrete Lösungsmodelle – etwa für die Finanzierung der Flüchtlingshilfe – erarbeitet werden.

Neben den weichen Themen, die menschliches Handeln bestimmen und wirtschaftliche Folgen haben, beschäftigt sich das Symposium auch mit klassischen Fragen. So wird Claudia Buch, Vizepräsidentin der Bundesbank, und Jörg Kukies, Co-Chef von Goldman Sachs, Änderungsvorschläge im Finanzsystem vorstellen. Finanzmärkte, so die These, können bei ungeeigneter Regulierung und falschen Anreizen schädlich für die Gesellschaft sein – gleichzeitig aber hoch profitabel für bestimmte Akteure. Auch die momentan viel diskutierte Frage, ob das Bruttoinlandsprodukt noch ein geeigneter Indikator für Prosperität und Wohlstand ist, steht auf der Tagesordnung. Am Freitag hat sich zudem der türkische Finanzminister angekündigt. Er wird über die Turbulenzen auf den Emerging Markets (Schwellenländer) berichten.

Besonders gespannt ist Snower auf die Beiträge der Schüler, die er eingeladen hat, am GES mitzuwirken. „Ungleichheit schadet dem Wirtschaftswachstum – wie kann ein neues Sozialmodell für Europa aussehen?“ Mit dieser Frage haben sich zehn Schüler der Husumer Hermann-Tast-Schule beschäftigt. Die Ergebnisse wollen sie in Kiel vorstellen. Vielleicht landen die Beiträge der jungen Nordfriesen irgendwann bei den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft. Ziel des GES ist, die Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm zu befreien und Lösungsmodelle für aktuelle Probleme zu implementieren.
 

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erstellt am 10.Okt.2015 | 15:05 Uhr

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