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Forschungsschiff des Geomar : Kiel droht die „Poseidon“ zu verlieren

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Trotz Zusage der Kanzlerin steht der geplante Ersatz für das wichtigste Forschungsschiff des Geomar auf der Kippe – weil Ministerin Wanka spart.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2015 | 18:58 Uhr

Kiel | Gut einen Monat vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein zeigte sich Angela Merkel spendabel: Bei einem Besuch des Kieler Ozeanforschungszentrums Geomar im März 2012 verkündete die Kanzlerin, „dass das Forschungsschiff Poseidon durch einen Neubau ersetzt werden wird“. Die „Poseidon“ ist das wichtigste von vier Schiffen der Kieler Meereskundler und hat fast 40 Jahre auf dem Buckel. Mit den Vorarbeiten für das neue Schiff werde noch im selben Jahr begonnen, kündigte Merkel an. „Wir schätzen, dass das dann 2017 fertig sein kann.“

Nun zeigt sich jedoch: Merkels Zusage war voreilig. Denn ihre Forschungsministerin und CDU-Parteifreundin Johanna Wanka will den deutschen Meeresforschern ein Schiff streichen – und das wird entweder die „Poseidon“ sein oder die „Meteor“ vom Hamburger Institut für Meereskunde. Nur eines der beiden traditionsreichen Expeditionsschiffe wird durch einen Neubau ersetzt. Das andere fällt ersatzlos weg. Zudem verspätet sich das neue Schiff und wird erst 2020 fertig statt wie von Merkel verkündet 2017. „Es kommt nicht auf die Zahl der Forschungsschiffe an, sondern auf deren Leistungsfähigkeit“, sagte Wanka gegenüber dem sh:z zu ihrem Entschluss.

Das moderne neue Schiff soll allen Meereskundlern in Deutschland offen stehen – auch den Kielern. Doch bedeutet das umgekehrt auch: Das Geomar muss sich das Schiff teilen. Unerfreulicher noch: Nach Angaben von Wankas Sprecher ist völlig offen, ob der voraussichtlich 180 Millionen Euro teure Neubau überhaupt in Kiel stationiert wird – oder eben in Hamburg. Auch der Name des neuen Schiffs steht noch nicht fest. „Wir hoffen alle, Poseidon“, hieß es aus Kiel nur.

Das größere Schiff ist allerdings mit fast hundert Metern die Hamburger „Meteor“ – und laut einem Gutachten des Wissenschaftsrats auch das bedeutendere, weil es auf allen Weltmeeren einsetzbar ist. „Die Meteor ist ein sehr wichtiges Schiff für die global ausgerichtete Hochseeforschung“, hatte der Rat vor fünf Jahren geurteilt und einen Neubau für das heute 30 Jahre alte Schiff empfohlen. Bei der nur im Atlantik fahrenden und vierzig Meter kürzeren „Poseidon“ rieten die Experten dagegen nicht ganz so überzeugt zu einem Ersatz. Doch seit Merkels Zusage schienen diese Zweifel ausgeräumt.

Nun aber hat eine weitere Analyse von Wanka ergeben, dass nur noch eines der beiden Schiffe gebraucht wird – vom Kaliber der „Meteor“. „Wir haben uns für einen gemeinsamen Neubau entschieden, weil sich gezeigt hat, dass es heute mit modernster Technik möglich ist, das Einsatzspektrum von Forschungsschiffen zum Vorteil der Wissenschaft deutlich zu erweitern“, sagte Wanka. Die durch den Wegfall eines der beiden Schiffe gesparten Kosten sollten der Meeresforschung „insbesondere für Datenauswertung“ zugute kommen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig hat Wankas Plänen bereits seinen Segen erteilt. Er sei „davon in Kenntnis gesetzt worden“, dass es „einen gemeinsamen Nachfolgebau“ für die zwei Schiffe geben werde und „freue“ sich darüber, „dass die Kieler Meeresforschung in absehbarer Zeit einen modernen Ersatz für die Poseidon erhält“, schreibt Albig an Wanka. Der Chef des zu 90 Prozent vom Bund finanzierten Geomar „unterstützt“ laut Albig „diese Planung“ ebenfalls.

Gegenüber unserer Zeitung wollte sich Geomar-Direktor Peter Herzig allerdings nicht äußern. Hinter vorgehaltener Hand hieß es aus Kiel, man sei nicht allzu erbaut darüber, dass man nun nicht wie ursprünglich geplant ein eigenes neues Schiff für 110 Millionen Euro in 2017 erhält. Da ist es gut, dass wenigstens die alte „Poseidon“ kürzlich wohl letztmals die technische Prüfung bestanden hat und bis 2019 weiterfahren darf.

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