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Prokon : Kettenreaktion mit windigen Versprechen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Insolvenz-Uhr tickt: Ist die Unternehmensgruppe Prokon noch zu retten – oder geht es nur noch um Schadensbegrenzung? Ein Kommentar von Stephan Richter.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 10:40 Uhr

Die Meldungen über eine drohende Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz beim Itzehoer Windanlagenfinanzierer Prokon sind alles andere – nur nicht überraschend. Sie sind bitter für die 75.000 Anleger, die um ihr eingezahltes Geld bangen. Sie lassen die 1300 Prokon-Mitarbeiter – darunter 500 in Itzehoe – um ihre Arbeitsplätze bangen.

Aber: Das alles war abzusehen. Seit Jahren mahnen Verbraucherschützer bei Prokon-Genuss-Scheinen zur Vorsicht. Immer wieder wurde die mangelnde Transparenz des Geschäftsmodells beklagt und dahinter ein Schneeballprinzip vermutet. Es gab ein Urteil wegen irreführender Werbung, und schließlich bezeichnete die Stiftung Warentest Anfang Dezember die Zwischenbilanzen des Unternehmens als „verheerend schlecht“.

Dass solche Hiobsbotschaften Kettenreaktionen auslösen, war klar. Erstaunlich eher, dass Prokon so lange durchhielt. Gut möglich, dass dabei nicht nur die vom Unternehmen versprochene Traumrendite, sondern auch die staatliche Förderung der regenerativen Energie manchen Anleger zum Risiko verführte. Wer möchte nicht von der Milliarden-Förderung profitieren, die der Staat für Windräder und Solardächer zahlt?

Doch wo Geschäfte zu machen sind, sind schwarze Schafe nicht weit. Ob Prokon dazu gehört, wird sich jetzt – endlich – zeigen. Denn bislang schweigt das Unternehmen zu allen Negativmeldungen. Man sieht sich als Opfer einer Kampagne, trägt aber nicht dazu bei, der ganzen Wahrheit ans Licht zu verhelfen. Stattdessen wird jetzt den Anlegern, die retten wollen, was wohl nicht mehr zu retten ist, auch noch erpresserisch gedroht. Dass so der Untergang abgewendet werden kann, ist schwer zu glauben. Die Insolvenz-Uhr tickt. Wenn Wirtschaftsminister Reinhard Meyer Prokon Gespräche anbietet, dann wohl nur, um den Schaden zu begrenzen – und um Arbeitsplätze zu retten. Itzehoe ist mit der Schließung der Prinovis-Druckerei schon genug gebeutelt.

 

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