zur Navigation springen

9. Februar 1977 : Kernkraftwerk Brunsbüttel ging vor 40 Jahren ans Netz

vom

Das AKW in Brunsbüttel ist das älteste Kernkraftwerk im Norden. Der Siedewasserreaktor wurde im Juli 2007 stillgelegt.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2017 | 06:46 Uhr

Brunsbüttel | Das Kernkraftwerk Brunsbüttel war der erste Atommeiler Schleswig-Holsteins: Am 9. Februar 1977 nahm das AKW den kommerziellen Betrieb nach acht Jahren Bauzeit und Probebetrieb auf. Am 18. Juli 2007 wurde der pannenträchtige Meiler runtergefahren.

Nach Angaben der Betreiber produzierte das Kraftwerk in dieser Zeit eine Netto-Leistung von über 118 Millionen Megawattstunden Strom. Das reicht, um rund 30 Millionen Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Quasi als Nebenprodukt entstand dabei nach Angaben der Umweltschutzorganisation BUND die kurz- und langlebige Radioaktivität von rund 24.000 Hiroshimabomben.

Das AKW Brunsbüttel ist ein so genannter Siedewasserreaktor. In ihm wird - ähnlich wie bei herkömmlichen Kraftwerken mit Kohle-, Öl- oder Gasfeuerung - Wasser durch Wärme unter hohem Druck erhitzt und verdampft. Der Dampf treibt über eine Turbine einen Generator zur Stromerzeugung an. Die zur Verdampfung des Wassers benötigte Wärme entsteht durch kontrollierte Kernspaltung in den Brennelementen des Reaktorkerns. Bei Betrieb hatte das Kraftwerk nach Angaben von Vattenfall eine Nettoleistung von 771 Megawatt. Es produzierte sechs Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Seit 2007 ist das Brunsbütteler Kernkraftwerk nach Angaben der Atomaufsicht in Kiel nicht mehr am Netz. Ein Kurzschluss leitete sein Aus ein. Der Reaktor war nach der Reparatur kurz wieder ans Netz gegangen, blieb dann aufgrund diverser technischer Probleme jedoch dauerhaft abgeschaltet. Als Konsequenz aus der Katastrophe von Fukushima gehörte das Kraftwerk zu den acht Reaktoren in Deutschland, die 2011 ihre Berechtigung zum Leistungsbetrieb verloren, also nicht mehr ans Netz dürfen.

Derzeit bereiten die Betreiber den Rückbau vor. Damit das AKW als erstes der drei Meiler in Schleswig-Holstein zurückgebaut werden kann, müssen zunächst die 532 Brennelemente aus dem Reaktor entfernt werden. Sie enthalten den Kernbrennstoff Uran. In Deutschland gibt es noch kein Endlager für diesen radioaktiven Müll, so dass die Brennstäbe zunächst auf dem AKW-Gelände in einem eigens dafür gebauten Zwischenlager untergebracht werden. Es ist aus meterdickem Stahlbeton gebaut.

Für Kritiker stellen die Abrisspläne eine Gefahr für Umwelt und Bevölkerung dar. Sie warnen vor einer Strahlenbelastung, die der Bevölkerung während des Abbaus zugemutet werde.

Das Kernkraftwerk Brunsbüttel gehört zu zwei Dritteln dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall und zu einem Drittel E.ON. Die Betreiber rechnen für den vollständigen Rückbau des Atommeilers bis zur „grünen Wiese“ mit zehn bis 15 Jahren. Dafür haben sie insgesamt 1,7 Milliarden Euro zurückgestellt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen