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Anleihe für Westküstenleitung : Keiner lässt sich gerne kaufen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kaum jemand hat die Anleihe für die Westküsten-Stromleitung gezeichnet - viele hatten den Eindruck, dass man Anwohner damit nur ruhig stellen und von weiteren Protesten abhalten wollte. Ein Kommentar von Henning Baethge.

Husum | Sie wollten eine attraktive Beteiligung an der neuen Westküsten-Stromleitung – sie bekamen eine riskante Unternehmensanleihe des ungeliebten Netzbetreibers Tennet. Kein Wunder daher, dass am Ende kaum ein Bürger aus Nordfriesland oder Dithmarschen das mit großem politischem Trara angekündigte Wertpapier gezeichnet hat. Nur etwas mehr als 100 von 160.000 angeschriebenen Haushalten haben sich eingekauft.

Zwar verspricht der holländische Staatskonzern Tennet eine Rendite von erst drei und später fünf Prozent – was angesichts der kümmerlichen Sparzinsen viel ist. Doch gleichzeitig ist mit der Anleihe ein hohes Risiko verbunden, vor dem Verbraucherschützer früh gewarnt haben: Schlimmstenfalls droht ein Totalverlust des angelegten Geldes.

Das ist aber nicht der alleinige Grund für den Fehlschlag der Anleihe. Vielmehr kommt ein weiterer Vorbehalt der Westküstenbewohner hinzu: Die gute Idee der Bürgerbeteiligung hat von Anfang an darunter gelitten, dass Tennet stets hervorgehoben hat, das Geld der Bürger eigentlich gar nicht zu brauchen. Das stimmt zwar wohl – doch entstand so gleich der Eindruck, dass der Netzbetreiber die Bevölkerung mit dem Angebot zum finanziellen Einstieg gar nicht ernsthaft beteiligen als vielmehr ruhig stellen und von weiteren Protesten abhalten will. Wer aber mag sich schon nachsagen lassen, käuflich zu sein? Eben.

Daher ist auch zweifelhaft, ob die fehlgeschlagene Anleihe und die Informationsabende drumherum zumindest den Dialog mit den Betroffenen vorangebracht haben, wie Tennet-Chef Lex Hartman hofft. Zwar gab und gibt es allein in diesem Jahr 30 Veranstaltungen zur Westküstenleitung und zur Bürgerbeteiligung. Doch der Widerstand in der Region ist nicht schwächer geworden.

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erstellt am 17.Okt.2013 | 08:08 Uhr

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