Lübeck : "Kein Kahlschlag beim Wohnungsbau"

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen hat auf seiner Arbeitstagung gegen geplante Kürzungen bei der Wohnungs- und Städtebauförderung protestiert.

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20. September 2011, 08:49 Uhr

Lübeck | "Die Bundesregierung spart am falschen Ende. Während sie Hotels begünstigt und mit unabsehbaren Risiken für den Steuerzahler Milliarden Euro für Rettungsschirme und Banken bereitstellt, spart sie die Wohnungspolitik kaputt", sagte VNW-Verbandsdirektor Joachim Wege. Nach Angaben des Verbandes hat der Bund die Förderung des Wohnungswesens seit 2009 halbiert.
Das vor zwei Jahren aufgelegte KfW-Förderprogramm "Altersgerecht umbauen" wolle die Bundesregierung gleich ganz abschaffen. Dabei heiße es in einer für die Bundesregierung erstellten Studie, dass angesichts des demographischen Wandels Investitionen in Höhe von 39 Milliarden Euro für zusätzliche 2,5 Millionen barrierearme Wohnungen erforderlich seien, so der Verband.
"Das Programm Soziale Stadt hat bundesweit Slumbildung verhindert"
Sorgen bereitet den Mitgliedsunternehmen des VNW derzeit auch, dass das Programm "Soziale Stadt" vom Rotstift betroffen ist - von bisher 100 Millionen bleiben nur noch 28 Millionen Euro im Jahr. "Das Programm ,Soziale Stadt hat bundesweit Slumbildung verhindert und benachteiligten Stadtteilen neue Perspektiven eröffnet", so Wege.
Als Beispiel nannte er den Flensburger Stadtteil Neustadt, der 1999 wegen seiner sozialen und strukturellen Probleme in das Programm aufgenommen wurde. Seither sind fast 28 Millionen Euro an Städtebauförderungsmitteln in die Sanierung geflossen. "Allein der Selbsthilfe-Bauverein Flensburg hat dort 300 nicht mehr vermietbare Kleinwohnungen abgerissen und dafür 200 neue gebaut, 200 weitere seniorenfreundlich saniert und gerade das dritte Servicehaus eröffnet, das nicht nur unseren Mitgliedern offen steht", sagte der Vorstandsvorsitzende des Bauvereins, Raimund Dankowski.
Mangelnde Planungssicherheit
Neben den Kürzungen beklagt der VNW auch mangelnde Planungssicherheit. "Unsere Mitgliedsunternehmen investieren Jahr für Jahr eine Milliarde Euro in Neubau und Bestandspflege", so Wege. Dafür seien aber verlässliche Rahmenbedingungen notwendig.
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen vertritt 316 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsunternehmen in Hamburg (88), Mecklenburg-Vorpommern (155) und Schleswig-Holstein (73) mit rund 1,4 Millionen Mietern.

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