Bio-Sprit : KBA gibt keine Garantie für E10

Welches Auto ist E10-tauglich? Jeden Autobesitzer anzuschreiben, lehnt das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg ab. Foto: dapd
Welches Auto ist E10-tauglich? Jeden Autobesitzer anzuschreiben, lehnt das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg ab. Foto: dapd

Die Idee des ADAC, jeden Autofahrer anzuschreiben, ob sein Auto E10 verträgt oder nicht, schmettert das Kraftfahrtbundesamt ab. Denn: es prüft den Kraftstoff nicht.

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09. März 2011, 08:56 Uhr

Endet mit dem von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) einberufenen Benzingipfel in Berlin die große Verunsicherung und der Koalitionsstreit rund um den Biosprit E10? Eine größer werdende Zahl von Experten bezweifelt, dass fast alle der gut 30 Millionen zugelassenen Benzin-Pkw den mit zehn Prozent Bioethanol versetzten Kraftstoff ohne Folgeschäden tanken können. Auch die Bedenken, dass der neue Biosprit die Öko-Bilanz auf Deutschlands Straßen überhaupt verbessert, werden lauter geäußert.
Während das Chaos an den Tankstellen wächst, fordert die Mineralölwirtschaft die Bundesregierung auf, Klarheit zu schaffen. Bis dies geschehen ist, will die FDP die Einführung von E10 stoppen, die CDU lehnt dies trotz des Boykotts der Autofahrer ab. "Bis auf einige ältere Automodelle vertragen mehr als 90 Prozent das neue E10", sagt Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Doch eine Garantie mit Haftungsanspruch für mögliche Schäden will die Politik den Autofahrern nicht geben.
Kein "Prüfkraftstoff" auf der Liste der EU
Klare Aussagen fordert der ADAC nun vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg. Mit rund 17.000 Anträgen für technische Systeme, Bauteile und ganze Fahrzeugtypen ist die Bundesbehörde der führende Typ-Genehmiger Europas. "Doch zur Verträglichkeit von E10 können wir keine Angaben machen, denn das neue Biobenzin gilt nicht als Prüfkraftstoff", sagt KBA-Präsident Ekhard Zinke. Die EU schreibe die Inhalte für die so genannten Typgenehmigungsverfahren vor. Da E10 bisher bei allen Benzin-Fahrzeugtypen auf dieser Liste fehlt, habe das KBA keine Kenntnisse über die Verträglichkeit des Kraftstoffs.
Das KBA sehe sich als Dienstleister für die deutschen Autofahrer und würde gerne einen Beitrag zur Aufklärung leisten. "Doch wir können nichts sagen über etwas, das von uns nicht geprüft wird", sagt Zinke. Dennoch ist er leicht genervt: "Wenn man nicht mehr weiter weiß, ruft man nach dem KBA."
ADAC hält Angst für unbegründet
Auf das Ergebnis des Benzingipfels schaut der KBA-Chef äußerst gespannt. Dort will der ADAC durchsetzen, dass das Kraftfahrt-Bundesamt allen Besitzern von Benzin-Autos schriftlich mitteilt, ob sie E10 bedenkenlos tanken können oder nicht. Die Angst der Autofahrer hält ADAC-Technik-Experte Reinhard Kolke für unbegründet. Wenn der Hersteller nicht explizit vor dem Biosprit warnt, könne dieser sorglos getankt werden.
Hat KBA-Präsident Zinke selbst schon mal einen Tank-Stopp an einer E10-Säule eingelegt? "In diese Verlegenheit komme ich nicht, ich fahre Diesel."
(wer, shz)

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